Falk Schacht über „Rap Hack“-Doku

Mit gekauften Klicks in die Charts?

Eine Investigativ-Doku des Y-Kollektivs hat vermeintliche Streamingmanipulationen im Deutschrap aufgedeckt und eine Debatte über gekaufte Klicks ausgelöst. Wir sprechen mit Hip-Hop-Journalist Falk Schacht über die aktuelle Diskussion.

Rapper in Erklärungsnot

Newcomer-Künstler, die teilweise binnen weniger Stunden rekordverdächtige Streamingabrufe in Millionenhöhe auf Spotify und Youtube erzielen – das ist derzeit keine Seltenheit. Insbesondere im Deutschrap-Segment jagt ein Hype den nächsten. Doch es mehren sich Zweifel an den hohen Klickzahlen. Können sie wirklich organisch entstanden sein? Schon lange wird über dieses Thema in der Hip-Hop-Szene diskutiert. Jetzt heizt eine Reportage des Y-Kollektivs die Vorwürfe zu gekauften Klicks im Deutschrap wieder an.

Der „Rap Hack“

In der 20-minütigen Dokumentation des Funk-Formats Y-Kollektiv trifft Reporter Ilhan Coskun auf „Kai“, einen der vermeintlichen Drahtzieher hinter manipulierten Streamingabfrufen. Dessen Behauptung: Mit gehackten Spotify-Anmeldedaten lässt er Songs in Endlosschleife laufen und treibt so deren Abrufzahlen in die Höhe. Mit dieser Methode manipuliert er die Charts und kassiert bei Rappern und deren Managern. Für 50.000 Euro gibt’s eine Goldene Schallplatte. Angeblich.

Aus Ilhan Coskun wird Error281

Kai behauptet: „Ich kann aus dir einen Star machen“. Y-Kollektiv-Reporter Ilhan Coskun will das im Selbstversuch ausprobieren. Bei befreundeten Produzenten nimmt unter dem Künstlernamen Error281 den Song „8K“ auf.

Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung zählt das dazugehörige Musikvideo auf Youtube 235.000 Klicks. Bei Spotify knackt Error281 aus dem Stand heraus die 100.000 Streams. In die Charts hat er es allerdings nicht geschafft. Das Marktforschungsinstitut GfK lässt dazu verlautbaren: „Der Prüfprozess hat auch im dargestellten Fall gegriffen. Der wesentlichste Teil der unerwünschten Zugriffe wurde erkannt. Das hatte zur Folge, dass im dargestellten Fall ein Einzug in die offiziellen Deutschen Charts nicht funktioniert hat.“ Auch Hip-Hop-Journalist Falk Schacht sieht da eine Schwäche der Dokumentation.

falk-schacht-credit-sandra-muellerWas vom Y-Kollektiv an keiner Stelle berichtet wurde, ist, dass die 100.000 Spotify-Plays von der GfK als 6.000 gewertet wurden, weil offiziell eine Manipulation erkannt wurde. Irgendwo hat dann das, was Kai versprochen hat, nicht so richtig funktioniert.Falk Schachtbeschäftigt sich mit Rap und Hip-Hop-Kultur 

Groove Attack TraX unter Beschuss

Namentlich genannt werden im Y-Kollektiv-Film Künstler des Labels Groove Attack TraX. Labelboss Xatar weist in einem Youtube-Statement alle Anschuldigungen von sich. Einer der erfolgreichsten Künstler bei Groove Attack TraX ist der Rüsselsheimer Rapper Mero. Dieser reagiert mit einem Instagrampost auf die Doku. 42 000 verkaufte Tickets für seine anstehende Deutschlandtour sieht er als Beleg für die Echtheit der hohen Klickzahlen.

Mehr als nur Fake

Auch Falk Schacht sieht die enormen Verkaufszahlen als Indiz dafür, dass die Hypes der neuen Deutschrap-Generation größtenteils auf echten Fans und Klicks beruhen. Er vermutet eine Mischung aus gekauften und realen Klicks.

Das funktioniert wie Werbung. Wenn ich mir Fake-Klicks zu normalen Klicks dazu kaufen würde, dann ist das, als würde ich mir ein Werbebanner kaufen. Ich kaufe mir Sichtbarkeit. Aber dass alles, was wir in den letzten Jahren gesehen haben, gekauft ist, das kann ich mir nicht vorstellen. – Falk Schacht

Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Philipp Weimar reagiert Hip-Hop-Journalist Falk Schacht auf die Y-Kollektiv-Doku „Der Rap Hack“ und erzählt, was er von den Vorwürfen, Klicks zu klauen, hält.

Redaktion: Alina Schneider