Reingehört: Austra – Feel It Break

22.05.2011

Man hat das Gefühl, dass das 80er Revival so ganz und gar nicht enden mag. In der Mode tauchen immer wieder Teile auf, die aussehen, als ob sie direkt aus Muttis Kleiderschrank kommen. Und auch in der Musik bedient man sich gerne bei den 80s. Auch die kanadische Band Austra macht das auf ihrem Debüt "Feel It Break" – jedoch anders als bisher.

Austra - Feel It Break

Feel It Break

Austra

(Domino Records, bereits erschienen)

Wenn man beim Hören der Musik von Austra die Augen schließt, erwacht man in einer tiefschwarzen, von dicken Nebelschwaden durchzogenen Nacht in einer heruntergekommenen Fabrikhalle. Oder in einer dunklen, kalten Höhle. Oder auch auf einem Friedhof. Denn Austra bringen mit ihrem Debüt Feel It Break ein bisschen schwarze Schwermütigkeit in die sonst so bunte Glitzerwelt der 80er Jahre und lassen beim Hören den ein oder anderen angenehmen Schauer über den Rücken laufen.

Austra – das ist vor allem Katie Stelmanis. Die Kanadierin hat sich in ihrer Kindheit mit Leib und Seele der Klassik hingegeben. Mit 10 Jahren hat sie bereits Gesangsunterricht genommen, denn sie wollte als professionelle Opernsängerin Karriere machen. Der Traum vom großen Opernstar ist jedoch immer mehr verblasst, als Katie auf der High School mit anderen Musikgenres in Berührung gekommen ist. So hat sie Punk für sich entdeckt und erste eigene Bands gegründet – abseits von Bach und Debussy. Zu Beginn noch Mitglied verschiedener Bands, hat Katie durch ihre außergewöhnliche Stimme schnell einen so großen Bekanntheitsgrad erreicht, dass sie als Support für Coco Rosie oder zusammen mit Tegan and Sara aufgetreten ist.


Austra – das ist aber nicht nur Katie Stelmanis. Katie hat sich ihre Freundin Maya Postepski mit ins Boot geholt – kein unbeschriebenes Blatt in der Musikwelt. Sie hat vorher schon als Produzentin gearbeitet. Bei Austra bedient Maya nun alles, was mit Drums, Beats und Percussion zu tun hat. Und auch ein Mann hat es schließlich in die Band geschafft – Dorian Wolf – er spielt Bass. So vereint sich Katies durchdringende Stimme mit schweren Synthesizer-Klangwänden und unermüdlichen Beats – gepaart mit einer mystischen und düsteren Atmosphäre. Und obwohl Austra die Synthies fast überstrapazieren – wirklich für den Dancefloor gemacht sind die Songs auf Feel It Break nicht. Sie wabern eher vor sich hin und umhüllen den Hörer mit einem dunstigen Soundgewand – wie in Darken Her Horse, dem Opener der Platte.

Austra – das ist vor allem Musik, die aus der aktuellen breiten Masse heraus sticht. Zwar folgen sie dem Schema F des 80er Jahre Synthiepop – aber das nur hintergründig. Im Vordergrund steht die Stimme von Katie Stelmanis, die einerseits hell und klar klingt, andererseits aber düster und nicht greifbar ist und dadurch fast gewaltsam in die Gehörgänge eindringt. Die klassische Gesangsausbildung ist deutlich herauszuhören, manchmal klingt es wenig zu stark nach Kirchenchor, doch gerade diese Künstlichkeit in Katies Stimme bewirkt, dass man einfach hinhören muss, wenn Austra läuft.

Die Band zeigt auf ihrem Debüt Feel It Break was sie kann und schlachtet es voll und ganz aus: interessante Stimme, mit mal mehr oder weniger dynamisch vorantreibenden Beats und viel viel Synthesizer. Ein bisschen mehr Abwechslung hätte der Platte aber auch nicht geschadet. Das trifft auch auf die Texte zu. Katie schreibt sie selbst, doch dabei geht es ihr weniger um den Sinn, als um den Klang. Nun gut, bei Titeln wie Shoot The Water kann man sich schon fragen, was das nun genau bedeuten soll. Aber eigentlich ist es auch egal, denn gut klingt es allemal.

Mit Feel It Break hat das Trio um Katie Stelmanis ein Debüt veröffentlicht, das vielleicht ein paar Durchgänge benötigt, um sich dem Hörer zu offenbaren. Wenn dies dann aber gelingt, ist man so in der düsteren und mystischen Welt von Austra gefangen, dass man nach den 47 Minuten nicht zurück in die Realität geholt werden möchte. Also noch einmal auf Play drücken und weiter vom nebligen Austra-Soundgewand einhüllen lassen…