Reingehört: Battles – Gloss Drop

16.06.2011

Nach dem Erfolg des Debütalbums “Mirrored” vor vier Jahren hat sich eine Menge getan bei Battles. Größter Umbruch war dabei wohl der Ausstieg von Sänger Tyondai Braxton. Davon hat sich das Gespann allerdings nicht aufhalten lassen und ein neues Album produziert - “Gloss Drop”

Zum Trio geschrumpft: Battles (Foto: Jason Frank Rothenberg)

Battles - Gloss Drop

Gloss Drop

Battles

(Warp Records, bereits erschienen)

Letztes Jahr im August stand fest: Tyondai Braxton verlässt Battles und lässt seine drei Bandkollegen alleine zurück. Für so manche Band wäre das das komplette Aus gewesen, vor allem weil Braxton den Sound von Battles maßgeblich beeinflusst hat. Doch Ian Williams, Dave Konopka und John Stanier haben sich nicht unterkriegen lassen: Sie haben sich hingesetzt und ein neues Album geschrieben. Und was für eins.

Unterschiede zum ersten Album sind kaum zu entdecken. Battles sind immer noch genauso verspielt und durchgeknallt wie eh und jeh. Dass Braxton fehlt, hört man der Platte dabei kaum an, obwohl Schlagzeuger John Stanier das etwas anders sieht.

Es ist auf jeden Fall anders. Ich meine, am offensichtlichsten ist, wir haben Gary Numan in einem Battles-Song. Das ist natürlich schonmal anders. Ich denke, es ist auf jeden Fall immer noch Battles. Nur eben geschliffener.

Geschliffener klingt auf dem neuen Album eher nichts. Die Songs sind immer noch ständig mutierende, hyperaktive Monster. Wie schon auf dem Debüt ist Stanier’s ultrapräzises Schlagzeugspiel der Faktor, der alles zusammenhält. Neu sind auf den ersten Blick tatsächlich eigentlich nur die Gastsänger: Der potentielle Sommerhit Ice Cream beispielsweise, wartet mit der Stimme des Berliner Produzenten Matias Aguayo auf.

Kazu Makino, Sängerin der amerikanischen Band Blonde Redhead, leiht ihre Stimme für das Lied Sweetie & Shag, eine der weniger nervösen Nummern auf Gloss Drop. Der Coup allerdings ist die Verpflichtung von Elektropop-Pionier Gary Numan für My Machines.

Die Vocals sind richtig gut und der Text ist sogar noch besser. Dass er mitgemacht hat war ein Traum, der für uns wahr geworden ist. Ich bin immer noch total sprachlos. Er hat wirklich eine fantastische Arbeit gemacht.

Numan’s markante Stimme verleiht My Machines einen unfassbaren emotionalen Drive und macht ihn so zu einem der Highlights des Albums. Der Hauptteil von Gloss Drop besteht allerdings aus Instrumental-Stücken, die den drei Musikern Gelegenheit geben, ihre ganze Virtuosität auszuspielen. Dass die Band mittlerweile nur noch aus drei Mitgliedern besteht, fällt kaum bis gar nicht ins Gewicht. Der Spaß, den die Band an der Musik hat überträgt sich immer noch problemlos auf den Hörer.

Hinzu kommen eine ganze Reihe von Einflüssen, die sommerliche Assoziationen erwecken. Im Stück Dominican Fade beispielsweise, ist eine Steeldrum zu hören, die an die Karibik aus dem TUI-Katalog erinnert. Karibisch geht es auch in Inchworm zu.

Die Leute sagen mir: „Es hat einen Reggaeton-Beat“. Ich weiß nicht, ob das in Deutschland Thema war aber in New York war Reggaeton eine Zeitlang das Ding überhaupt. Aber jetzt ist er tot. Zum Glück.


Trotz Karibik-Feeling, Battles bleiben sich und ihrem Genre treu. Die verschachtelten Rhythmen machen die Band nach wie vor zu einer Math Rock Band, auch wenn Stanier das selbst nicht so gerne hört:

Ich hasse den Begriff. Vor allem, weil Ian’s alte Band Math Rock im Prinzip erfunden hat. In den USA ist es ein Begriff aus den sehr frühen 90ern, den schon lange keiner mehr benutzt. Aus irgendwelchen Gründen haben in den letzten Jahren englische Journalisten den Begriff jetzt wieder für sich entdeckt. Ich verstehe definitiv, dass Journalisten und Leute Sachen kategorisieren müssen. Aber manchmal übertreiben sie es dabei einfach. Und ich würde mir wünschen, dass wir alles wären, bloß kein Math Rock.

Ob nun Math Rock oder nicht: auf Gloss Drop präsentieren sich Battles als eine Band, die ihren Sound gefunden hat; die mit sich selbst ins Reine gekommen ist. Das mag schwurbelig klingen, aber wenn Stanier im Interview sagt, die Platte klingt weniger schizophren, dann hat er damit nicht ganz unrecht. Die sommerliche Stimmung, die Battles im ersten Song aufbauen, zieht sich durch das ganze Album. Battles klingen so locker wie eh und jeh. Gloss Drop ist das grandiose Zeugnis der Virtuosität dreier Musiker; ein Album, das eine Band zeigt, die Ballast abgeworfen hat und jetzt erst richtig loslegt.