Reingehört: Gotye – Making Mirrors

24.08.2011

Ein Zaun und eine Autoharp: Das sind eher ungewöhnliche Instrumente für eine Pop-Platte. Aber sie waren genau das, was der Australier Gotye auf seinem neuen, dritten Album „Making Mirrors“ hören wollte. Und trotz solcher etwas eigenwilliger Sounds klingen seine Songs nicht nach anstrengenden Postrock-Experimenten. Sondern sie reißen einen sofort mit.

In seiner Heimat Australien hat Gotye schon vor fünf Jahren mit seinem zweiten Album die Herzen aller Indie-Fans erobert. In Europa aber gilt er auch jetzt noch immer ein wenig als Insider-Tipp, obwohl mittlerweile sein drittes Album fertig ist: Making Mirrors. Gotyes Künstlername ist eine Abwandlung seines Vornamen. Er wurde in Belgien als Wouter de Backer geboren. Wouter entspricht dem deutschen Walter, und die französische Form davon ist: Gaultier – er schreibt es nur anders. Gotye ist ein echter Musik-Freak. Seit seiner Teenie-Zeit sammelt er altes Vinyl, erklärt er in einem making-of-Video zum neuen Album auf seiner Homepage.

Im Internet entdeckt man zwar auch weitgehend vergessene Musik, meint Gotye. Aber er wühlt doch lieber in staubigen Kisten im Plattenladen. Wenn er dann mal wieder überraschend einen musikalischen Schatz gehoben hat, dann weiß er: Die Sucherei hat sich gelohnt. Und oft genug kann er Samples alter Platten für seine Songs gebrauchen.

Manche Samples spielt Gotye aber auch selber ein, bevor er sie weiter verarbeitet. In der Video-Doku zeigt er, wie er die passenden Sounds für den Song Save Me gefunden hat. Dafür hat er eine Autoharp gesampelt, die klingt ähnlich metallisch wie eine Zither. Er hat sie Ton für Ton aufgenommen und digitalisiert. So konnte er mit jeder Taste seines Keyboards den entsprechenden Ton der Autoharp wiedergeben. Gotye hat also aus einem Zupfinstrument ein virtuelles Tasteninstrument gemacht. Und so konnte er darauf plötzlich Klänge spielen, die auf einer originalen Autoharp technisch nicht machbar wären.

Die Autoharp ist längst nicht das einzige exotische Instrument, das Gotye für sich entdeckt hat. Auf einer Tournee irgendwo im australischen Outback ist er auf einen „musical fence“ gestoßen, einen Musik-Zaun. Er besteht aus fünf langen Drahtseilen, die auf einen Resonanzkörper aus Holz gespannt sind. Gotye trommelte sofort begeistert auf dem Musik-Zaun herum und ließ dabei sein kleines Aufnahmegerät mitlaufen – und fertig war ein Sample für seinen Song Eyes Wide Open.

Musikalische Spielereien wie diese sind bei Gotye niemals Selbstzweck. Gotye setzt sie nur ein, wenn sie zu einem Song wirklich passen. Denn er ist nicht nur ein begeisterter Sammler und Tüftler, sondern auch ein richtig guter Songwriter und Musiker. Auf Making Mirrors sind mehr echte Instrumente zu hören als auf seinen beiden Vorgänger-Alben. Und die meisten davon hat Gotye selber eingespielt.

Eine alte Heimorgel, die Freunde ihm geschenkt haben, hat es Gotye besonders angetan. Er verliebte sich so sehr in das Instrument und dessen abgefahrene Glocken- und Bläser-Sounds, dass er der Heimorgel einen ganzen Song widmete. In State Of The Art und dem zugehörigen Video malt Gotye sich aus, wie die Heimorgel das Leben einer ganzen Familie verändert. Für das nagelneue Instrument mit seinen verlockend funkelnden Lämpchen fliegt der Fernseher aus dem Wohnzimmer und die Gattin tanzt zu den groovigen Sounds in der Küche Limbo.

Making Mirrors sprüht nur so vor musikalischen Ideen. Von eher düsteren Elektro-Klängen bis zu souligen Tanzflächen-Füllern mit funky Bläsern: Gotye ist ganz schön vielseitig, und er landet mit fast jedem Song einen Treffer. Schade nur, dass das Album in Deutschland nur als mp3 zu haben ist. Aber auch die klingen manchmal nach dem guten alten Vinyl.

Making Mirrors im Stream: