Saitenwechsel | Das Gewandhausorchester in Asien

Unterwegs im fernen Osten

26.02.2014

In ein paar Tagen startet das Gewandhausorchester seine Asien-Tour. Nach Japan reist das Orchester schon zum 21. Mal. Auch China steht auf dem Tourplan. Doch wie wird das deutsche Orchester im fernen Osten gesehen? Und warum ist die westliche Kultur in Asien so fest verankert? Zeit für einen Saitenwechsel.

1961 war das Gewandhausorchester erstmals zu Gast in Japan (Foto: Gewandhaus)

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Shanghai, Tokyo, Kawasaki, Osaka, Tokyo, Kyoto. Das sind die Stationen der anstehenden Asien-Tour. Das Gewandhausorchester unterwegs im fernen Osten.

Mehr zur Tour gibt’s im Blog des Gewandhausorchesters.

In knapp zwei Wochen geht’s los. Heute schau ich schon mal im Gewandhaus vorbei, um zu sehen, wie die Vorbereitungen laufen. Im Flur hinter dem Großen Saal treffe ich zwischen Pauken und Instrumentenkisten einen geschäftigen Mitarbeiter.

OrchesterwartMein Name ist Lothar Petrausch. Ich bin der leitende Orchesterwart des Gewandhausorchesters und bin hier seit 1975.Lothar PetrauschOrchesterwart 

Der Orchesterwart kommt als Erster und geht als Letzter

Lothar Petrausch kümmert sich um die vielen Instrumente des Orchesters. Auf Tour ist er Abend für Abend einer der ersten im Konzertsaal und zugleich einer der letzten. Vor dem Konzert: Instrumente auspacken, verteilen, aufbauen. Nach dem Konzert: abbauen, verstauen, aufräumen. Heute aber muss Petrausch erstmal eine Menge Papierkram erledigen.

Wir sind gerade dabei, die Zolllisten zu machen. Für jedes Instrument, das mit nach Asien genommen wird, müssen ja Zollpapiere ausgefertigt werden. Da muss angegeben werden, welche Instrumente in welchen Kisten sind, inklusive Name und Hersteller. Der Zoll will natürlich sichergehen, dass da nichts passiert.

Für das Gewandhausorchester ist es nicht die erste Asien-Reise. Schon 1961 waren die Leipziger in Tokyo und haben alle neun Sinfonien von Beethoven gespielt. Das hat vor ihnen kein anderes ausländisches Orchester in Japan getan. Shogo Akagawa ist Europa-Korrespondent bei Nikkei, einer großen japanischen Wirtschaftszeitung. Er weiß, wie das Gewandhausorchester in Japan ankommt.

JournalistDas Gewandhausorchester zählt in Asien zu den bekanntesten Orchestern. Schon in den 60ern, bei der ersten Konzertreise nach Japan, hat es mit seinem grandiosen Klang fasziniert. Mein Großvater z.B. hat das Gewandhausorchester geliebt. Und ich habe schon als Kind immer die Schallplattenaufnahmen vom Gewandhaus gehört.Shogo AkagawaJournalist 

Westliche Musik hat in Asien Tradition

Ist irgendwie schon verrückt, wie sich ein Land mit einem völlig anderen Kulturkreis so für westliche Musik begeistern kann. In Asien ist das aber schon lange nichts Ungewöhnliches mehr.

Klassische Musik aus Europa ist in der asiatischen Kultur verankert. Schon seit dem 19. Jahrhundert ist deutsche Klassik ein Einfluss in Japan. Die westliche Musik hat die japanische Gesellschaft bis heute beeinflusst und ist auch fest in der modernen japanischen Schulbildung verankert.

Wir mussten ja früher auch die Biografien der großen Komponisten auswendig pauken. Und klar, wenn man schon in der Schule mit dieser Musik konfrontiert wird, bleibt das natürlich hängen. Mehr oder weniger. Aber woher kommt das Fable für klassische Musik aus Europa? Ich treffe mich mit einer Musikerin, die ursprünglich aus Japan kommt.

Musik kann Land und Leute einander näherbringen

Konzertmeisterin 2. ViolinenMein Name ist Miho Tomiyasu-Palma Marques, Konzertmeisterin der zweiten Geige und spiele seit 1995 im Gewandhausorchester. Mein Ziel war es, in einem deutschen Orchester zu spielen, vor allem romantisches Repertoire. Das war mein Traum. Miho TomiyasuKonzertmeisterin 2. Violinen 

Und dieser Traum kommt nicht von ungefähr. Auch Miho Tomiyasu ist schon in jungen Jahren mit eben diesem Repertoire in Kontakt gekommen.

Deutsche Musik hat hier eine große Tradition. Beethoven, Mozart und Bach sind sehr beliebt. Wir lernen in der Schule viel über europäische Musik. Viele Kinder lernen Klavier oder Geige und kommen sehr frühzeitig in Kontakt mit europäischer Musik, vielleicht sogar mehr als mit traditioneller japanischer Musik.

Mag sein, dass es große Unterschiede gibt zwischen westlicher Kultur und Kultur aus Fernost. Doch der Journalist Shogo Akagawa sieht genau hier die Chance, dass Musik Gemeinsamkeiten schaffen kann.

Im 19. Jahrhundert hat sich Vincent van Gogh, also ein Maler aus Holland, von japanischem Holzschnitt beeinflussen lassen. Das zeigt, wie leicht Kunst die Grenzen von Sprache, Kultur oder Religion überschreiten kann. Vielleicht ist die Musik ein Mittel, Land und Leute einander näherzubringen.

„Ich liebe Japan“

In ein paar Tagen geht’s für das Gewandhausorchester mit dem Flieger gen Osten. Damit auch alle Instrumente ankommen, muss Lothar Petrausch noch einen ordentlichen Stapel Zollpapiere fertigmachen. Doch ob Orchesterwart oder Musiker – die Vorfreude auf Asien ist schon jetzt groß.

Miho Tomiyasu:Vor allem möchte ich dann meine Familie treffen. Wahrscheinlich habe ich dafür sehr wenig Zeit. Aber ich versuche es und freue mich drauf, meine Geschwistern und

Lothar Petrausch: Ich freue mich drauf. Es macht schon Spaß, mit dem Orchester irgendwo hinzufahren. Nach Asien ganz besonders. Meine zweite Reise ging nach Japan. Ich liebe das Land. Es ist alles perfekt organisiert. Da gibt’s kaum Stress.