The Hundred In The Hands: Zwischen Postpunk und Michael Jackson

01.11.2012

Seit dem Erfolg ihrer Debüt-Single "Dressed In Dresden" sind The Hundred In The Hands jedem Musikliebhaber ein Begriff. Hinter der Band stehen Eleanore Everdell und Jason Friedman – ein Paar, das nicht nur musikalisch harmoniert. Wir haben sie während ihrer Deutschland-Tour getroffen.

Nicht nur musikalisch ein Paar - The Hundred In The Hands (Foto: PR)

Die Musik war schon immer ein wichtiges Bindeglied zwischen Eleanore Everdell und Jason Friedman. Auf einer Tour von Friedmans alter Band The Boggs sind die Beiden sich näher gekommen und haben festgestellt, dass sie so einige musikalische Vorlieben teilen. Neben dem Sound der 80er, French House und Dub zählt dazu auch Post-Punk. Sogar der „King of Pop“ steht auf ihrer gemeinsamen Favoritenliste, sagt Eleanor Everdell.

Wir haben viel Michael Jackson gehört. Und natürlich auch Post-Punk. Das ist ja so typisch für New York. Das war so umfassend und vielseitig. Als wir uns kennengelernt haben, hatten wir einen ähnlichen Geschmack. Wir mochten sogar einzelne Songs aus dem selben Grund. Das war für uns aufregend – sich zusammen für Musik zu begeistern und kennenzulernen.

Musikalisch sind Everdell und Friedman voll auf einer Wellenlänge und auch privat hat es zwischen den beiden gefunkt. Der Entschluss The Hundred In The Hands zu gründen, war dann nur noch Formsache. Binnen weniger Tage haben sie ihre Debüt-Single Dressed In Dresden geschrieben. Die avancierte zum Indie-Hit und legte den Grundstein für künftige Erfolge. Nach dem Erfolg von Dressed In Dresden folgte 2010 ihr Debüt. Dieses Jahr ist ihr zweites Album mit dem Titel Red Night erschienen. Im Vergleich zum Vorgänger ist das in kompletter Eigenregie entstanden.

(Friedman :) Es war eine Herausforderung für uns. Auf unserem Debüt waren wir schon von der Idee alles selbst zu machen begeistert, haben das Album aber letzten Endes mit professioneller Hilfe aufgenommen.

(Everdell :) Wir waren begeistert von dem Experiment, selbst als Produzent tätig zu sein. Und das wollten wir unbedingt mal selbst ausprobieren, anstatt anderen die künstlerischen Entscheidungen zu überlassen.

Das Ergebnis ist viel düsterer als das Debüt. Red Night verleitet nicht unbedingt so zum Drauflostanzen, wie es bei den Hits des Vorgängers der Fall war. Das Zweitwerk von The Hundred In The Hands verbreitet eine bedrückende Atmosphäre und die Lyrics machen unwiderruflich klar, was der Grundtenor der Platte ist. Es geht um die großen Themen Liebe und Schmerz, sagt Friedman.

Das Album handelt von gebrochenen Herzen und Verlusten. Es ist wie der Weg zurück zu dem, den man liebt.

Mit ihrem neuen Album im Gepäck waren The Hundred In The Hands auf großer Tour durch Nordamerika und Europa. Fast pausenlos leben sie „on the road“. Eleanore Everdell ist dabei ständig von Männern umgeben. Damit hat die Sängerin allerdings kein Problem. Everdell ist mit vielen Männern befreundet und arbeitet gern mit ihnen zusammen. Bandkollege und Partner Jason Friedman bleibt aber immer ihre unumstrittene Nummer 1. Eine Sache, der sich die Band künftig mehr widmen möchte, ist ihr Web-Magazin. In dem interviewen sie Designer, Künstler oder Bands, die ihnen gefallen. Zu den zählen u.a. Zola Jesus oder Bear In Heaven.

Das ist eine der Sachen auf die wir uns künftig mehr konzentrieren wollen. Immer wenn wir auf Tour sind, fällt das ein wenig hinten runter. Es hat mit ein paar Interviews mit Künstlern angefangen. Es ist eigentlich immer das gleich Schema. Man sieht im Netz einen Künstler der uns gefällt. Ich schreib dann eine Email und versuch ein Interviewtermin zu bekommen. Das ist dann eher so eine Art gespräch von Künstler zu Künstler – also weniger journalistisch.

An Beschäftigung mangelt es The Hundred In The Hands also nicht. Allein schon ein Album in Eigenregie zu produzieren hat viel Zeit in Anspruch genommen. Dazu kam das viele Touren und nebenbei mussten sie ihre Beziehung pflegen. The Hundred In The Hands zeigen aber, dass es funktioniert und haben Spaß daran. Im schnelllebigen und kräftezehrenden Musikbusiness ist die Vereinigung von beruflichem und privatem Glück eine wahre Meisterleistung, die man The Hundred In The Hands hoch anrechnen muss.