Utopisch und bezaubernd – Glasser in Berlin

19.10.2010

Björk, Portishead, Bat of Lashes - die Vergleiche, mit der die Musik von Glasser beschrieben wird, lassen große Erwartungen aufkommen. Glasser, das ist eine Künstlerin aus Los Angeles, die Anfang Oktober ihr Debutalbum „Ring“ in Deutschland veröffentlicht hat. Am vergangenen Sonntag spielte sie in Berlin ihr einziges Deutschlandkonzert.

Cameron Mesirow alias Glasser mit Band im Privatclub Berlin (Foto: Anne Fromm)

Innig, bunt, bezaubernd – das klingt hoch gegriffen, ist aber durchaus angebracht, um den Auftritt von Glasser zu beschreiben. Dabei ist die Musik der 26-jährigen Amerikanerin alles andere als eingängig. Die Melodien sind minimal und dennoch wirken die Songs mit all ihren vielfältigen Sounds unheimlich komplex. Elektronische Loops bilden den Teppich, der von ausgetüftelter Percussion immer wieder unterbrochen wird. Darauf stapeln sich dann Streicher, ein Saxofon, asiatisches Pling-Plong und andere Soundschnipsel aus Camerons Computer.

Mein Songwriting verläuft in mehreren Phasen: Ich hab eine Idee, die schreib ich auf oder singe sie auf Band. Manchmal spiele ich einfach ein bisschen mit meinem Computer rum, erzeuge ein paar Sounds. Und ein bisschen später füge ich wieder neue Sounds dazu, und noch mehr und noch mehr. Deswegen sind auf meinem Album so viele unterschiedliche Klänge, weil die Musik über einen langen Zeitraum entstanden ist und ich immer wieder zu den Aufnahmen zurück kam.

Bei aller Komplexität ist es vor allem Glassers Stimme, die die Songs definiert. Mal Operngesang, mal Pop, mal Jazz – Glasser treibt ihre Stimmbänder in ungeahnte Sphären. Das gibt ihrer Musik etwas tranceartiges, fast schon esoterisches.

Produziert und aufgenommen hat sie all diese verschiedenen Elemente selbst am heimischen Computer. Live wäre es kaum zu schaffen, das alles allein umzusetzen. Deswegen hat sie auf ihrer aktuellen Tour vier Gastmusiker dabei. Und so sehr sie das live spielen schätzt, es fällt ihr nicht immer leicht:

Wenn ich meine Songs schreibe, bin ich sehr ernst. Wenn ich aber mit meinen Freunden unterwegs bin, oder von Leuten umgeben, bin ich fröhlich und lache sehr viel. Auf der Bühne fällt es mir dann extrem schwer beide Seiten zu verbinden, weil ich mich dann meiner Musik so nah fühle. Deswegen ist es manchmal schwer vor dem Publikum nicht meine lustige, ausgelassene Seite zu zeigen.

Der Privatclub in Berlin Kreuzberg ist für diesen Spagat genau der richtige Ort. Klein genug, um Glasser nicht untergehen zu lassen, aber groß genug, um ihrem Auftritt Raum zu geben. Denn die zierliche Amerikanerin verleiht ihrer Musik mit einem exzessiven Tanzstil Nachdruck. Schade nur, dass Ring erst ihr Debütalbum ist. So ist die Show schon nach einer halben Stunde wieder vorbei.

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