“Wir finden es wichtig, Räume zu öffnen” – Die Band PTTRNS im Portrait

22.04.2013

"Everyone plays everything" heißt das simpel klingende Prinzip, nach dem die Band PTTRNS zusammen musiziert. Doch in diesem einfachen Konzept verbirgt sich am Ende viel mehr, als man zunächst denkt. Was genau dahinter steckt und welche Möglichkeiten sich dadurch für die Musik bieten, haben uns PTTRNS im Interview verraten.

Bei der Kölner Band PTTRNS spielt jeder auch mal das Instrument des anderen (Foto: PR)

In der elektronischen Musik arbeiten heute immer mehr Künstler mit programmierten Patterns – musikalische Muster, die mehrfach wiederholt werden. Durch ihre unterschiedlichen Längen verschieben die sich jedoch innerhalb eines Songs, wodurch wiederum neue melodische und rhythmische Motive entstehen können. Die drei Gründungsmitglieder der Kölner Band PTTRNS Benjamin Riedl, Daniel Mertens und Patrick Hohlweck haben sich nicht nur dieser Arbeitsmethode bedient, sie haben sogar gleich ihre Band danach benannt.

Auf die Frage, wer in der Band welches Instrument spielt, gibt es keine klare Antwort. PTTRNS musizieren nach dem einfachen Prinzip: „Everyone plays everything“ – jeder spielt auch mal das Instrument des anderen. Das klingt erst mal wie eine nüchterne Beschreibung ihrer ersten Studioaufnahmen. Mittlerweile ist das für PTTRNS zu einer richtigen Philosophie geworden, sagt Patrick Hohlweck.

Wir haben in der Reflexion festgestellt, dass das Prinzip eine größere Rolle für uns gespielt hat. Wir finden es in der Konzeption der Stücke wichtig, Räume zu öffnen, indem wir nicht an einem Instrument fest sind, sondern das im Kollektiv machen.

Auch live setzen PTTRNS das Prinzip noch immer um. Früher haben sie sogar Schlaginstrumente im Publikum verteilt, um auch live den Raum so groß wie möglich zu halten. Einer der dabei öfter mal die Kuhglocke bekommen hat, ist übrigens Hendrik Freese. Der ist inzwischen mehr oder weniger dadurch zum festen Bandmitglied geworden.

Konzerte sind für PTTRNS immer eine gute Plattform gewesen, um neue Songs auszuprobieren – und zwar noch bevor sie diese auf Platten oder Kassetten veröffentlicht haben. Für ihr neues Album Body Pressure haben sie diese Arbeitsweise jedoch über den Haufen geworfen. Das Songschreiben ist wesentlich intensiver geworden. Vor allem aber sollten die Songs mit der Arbeit im Studio immer weiter wachsen.

Das war ein sehr produktiver und interessanter Prozess, bei dem wir auch viel über unsere Musik gelernt haben und darüber, was wir wollen und was wir können. Das sind natürlich zwei ganz elementare Einschränkungen bei Allem. Unser Können ist ja nicht unbegrenzt. Wir sind keine Virtuosen.

Und trotz der umfassenden Studioarbeit, PTTRNS sehen den Konzertmoment immer noch als die einzig wahre Chance, ihre Songs zur Vollendung zu bringen.

Eine Aufnahme oder Realisierung von unseren Stücken kann immer nur eine Momentaufnahme sein. Das sind keine Werke. Das sind immer unfertige, unabgeschlossene Sachen, die erst in der Konzertsituation ihre Vollendung finden können.

PTTRNS sind jedoch nicht nur die musikalischen Aspekte bei ihrer Arbeit wichtig. Auf Body Pressure geht es erstmals intensiver um Themen wie Intimität und sexuelle Selbstbestimmung. Die Band bezeichnet das Album als ihr politischstes. Offen bleibt jedoch in welcher politischen Dimension sich die angesprochenen Themen auf der Platte äußern.

Ich glaube, dass das eine politische Dimension hat, die vielleicht nicht auflösbar ist in Forderungen oder irgendwelchen klar definierbaren Dimensionen. Vielleicht eher politisch im Sinne einer Sensibilisierung für verschiedene Dinge, von denen wir glauben, dass sie ein bisschen unterrepräsentiert sind, obwohl verschiedenes davon eigentlich längst common sense sein sollte.

PTTRNS versuchen, jederzeit so viel wie möglich in ihre Musik zu investieren. Deswegen ist in den letzten Jahren nicht viel Raum für Urlaub geblieben. Und auch wenn der ein oder andere sich deshalb wünscht, mal in wärmeren Ländern spielen zu dürfen, für die Zukunft geht es PTTRNS nicht unbedingt um den großen kommerziellen Erfolg. Vielmehr geht es den vier Jungs darum, ihre ganz persönlichen Ideen so weit wie möglich weiter entfalten zu können.