Wohnzimmerkonzert mit Lilabungalow in Berlin

02.10.2012

Ein Wohnzimmer in eine Bühne zu verwandeln erfordert Organisationstalent. Lilabungalow aus Erfurt rief dennoch dazu auf, das zu probieren und ihn einzuladen. Erfolgreich: Im September spielte er in den verschiedensten Wohnungen der Republik. Ein Besuch in Berlin.

Hauptsache, keiner bekommt einen Hörschaden, sagt Lilabungalow in einem Berliner Wohnzimmer (Foto: Christian Seeling)

So klang das, als Patrick Föllmer, alias Lilabungalow vor ein paar Monaten über Youtube dazu aufrief, ihn in die Wohnzimmer des Landes einzuladen. Dem sind einige Leute nachgekommen und so hat sich für den Erfurter eine kleine Tour ergeben. Insgesamt spielt er elf Konzerte in Wohnzimmern in u.a. in Leipzig, Hamburg und Köln. Heute ist er bei Katja Winkelmann in Berlin zu Gast.

Katja wohnt in einer Zweizimmer-Wohnung in Berlin-Lichtenberg. Ihr Wohnzimmer ist schon bevor die ersten Gäste eintreffen fast konzerttauglich. In der Mitte ist frei geräumt, zum Sitzen und Tanzen und in einer Ecke sind schon ein paar Effektgeräte aufgebaut, zwei Mikrofone, ein Rechner und ein paar Lampen. Irgendwo fehlt noch eine Steckdose.

Hier ist noch sowas kleines verteilmäßiges…

10 nach 8, um 9 soll’s losgehen und so langsam treffen die ersten Gäste ein. 25 Leute hat Katja eingeladen, das sind Freunde und Freunde von Freunden. Die sammeln sich bevor es losgeht alle in der Küche, denn da gibt es reichlich zu Essen und Trinken.

Katja ist gebürtige Thüringerin und kennt die Musik von dem Erfurter Lila Bungalow daher schon seit einer Weile. Sie hat nicht lange überlegt, ihn in ihr wohnzimmer einzuladen.

Ich hab das bei Facebook gelesen und fand das eine tierisch coole Geschichte. Ich selbst mag Musik unheimlich gerne und ich tu meinen Freunden auch was Gutes und wir verbringen einen schönen Abend zusammen. Ich mag die Musik von Lilabungalow total gerne und hoffe, dass ich sie damit auch meinen Freunden näher bringen kann, weil mich das am Anfang schon ziemlich geflasht hat.

Zwischen all den Gästen schwirrt auch der Künstler selbst durch die Wohnung. Es ist das dritte Wohnzimmerkonzert für Lilabungalow auf seiner kleinen Tour. Bisher ist alles bestens gelaufen.

Das ist total witzig und total spannend, weil wir jedes Mal in völlig andere Umstände kommen. Bei einem Club hat man immer ein bestimmtes Grundbesteck, das da ist. Aber Wohnzimmer sind halt Wohnzimmer. Die sind alle verschieden. Die größte Herausforderung ist, dass Menschen, die direkt vor dir sitzen, keinen Hörschaden bekommen. Und dann gibt’s so Herausforderungen, wie in Hamburg, da hab ich direkt am Hafen gespielt und da muss man eben Strom hinbekommen und Licht. Und dann stehen da einfach 25 Stehlampen auf der Straße und die Fahrradfahrer wundern sich.

Und dann geht’s auch schon los.

Herzlich Willkommen Lilabungalow.

Gut anderthalb Stunden spielt Patrick. Am Anfang begleitet ihn eine Freundin auf der Violine mit einem sehr ruhigen Set. Nach einer guten halben Stunde bleibt Patrick dann aber allein auf der Bühne und spielt seine Lilabungalow Stücke. Das wird teilweise ganz schön laut für einen Montagabend, 22 Uhr in einer Altbauwohnung. Aber Katjas Nachbarn sind da offenbar entspannt. Es gibt keine Beschwerden. Dafür aber begeisterten Beifall von Katjas Freunden.

Ich bin ein bisschen sprachlos. Ich hatte noch nie so schöne Musik in meinem Wohnzimmer.

Ich fand’s total schön. Weil normalerweise macht man die Augen zu und träumt davon, dass die Musik da ist. Aber hier macht man die Augen auf und plötzlich steht da jemand. Das ist Wahnsinn.

Richtig, richtig wunderschön. Musik hausgemacht und man ist so nah dran. Faszinierend auch zu sehen, wie stark der Künstler damit beschäftigt ist, alles unter einen Hut zu bringen, die Musik in Loops zu legen. Das war einfach fantastisch.