Wooden Shjips – Dance-Musik für Stooges-Fans

12.07.2012

Seit 2006 machen Wooden Shjips aus San Francisco krautigen, psychedelischen Rock. Das ist gerade en vogue und jede zweite Großstadt bringt im Moment gefühlt fünf dieser Bands hervor. Wooden Shjps jedoch versuchen mit ihrem Sound die Lücke zwischen elektronischer Musik und Rockmusik zu schließen.

Wooden Shjips - West

West

Wooden Shjips

(Thrill Jockey, bereits erschienen)

Wooden Ships ist ein Song von Crosby, Stills & Nash, der während der Anti-Vietnam-Bewegung entstanden ist. Der Song erzählt von jenen Holz-Booten, die damals die Verwundeten nach Hause verschifften. Und so wie die Hippie-Bewegung und die damalige Super-Group Crosby, Stills & Nash, so hat auch die Band Wooden Shjips ihren Ursprung in San Francisco, der Brutstätte des „Summer Of Love“. Es ist nicht nur der Sound von Wooden Shjips, der an Kalifornien erinnert, auch der Name ihres aktuellen Albums West und dessen Album-Cover, die Golden Gate-Bridge, spielen darauf an, sagt Keyboarder Nash Whalen:

Du musst nicht zwangsläufig den Spirit der 60’s leben wenn du aus San Francisco kommst, vieles lebt von der Fantasie der Leute. Doch wir haben beim Touren durch die Welt gemerkt, dass die Leute an San Francisco interessiert sind und auch dahin reisen möchten. Also möchten wir unsere Stadt im rechten Licht präsentieren, auch wenn diese Szene von damals nicht mehr existiert.

Ein Irrglaube also, wer denkt sich in San Francisco mit einer Klampfe an eine Straßenecke zu stellen und damit reich zu werden. Das haben auch Wooden Shjips frühzeitig erkannt und haben einen anderen Weg eingeschlagen. So haben sie etwa ihre erste Platte in Bibliotheken versteckt:

Unsere erste 10“ haben wir kostenlos verteilt. Wir dachten: Vielleicht wird unsere Musik heute nicht gemocht oder wahrgenommen, aber jemand hat die Platte in seiner Sammlung und irgendwann stolpert jemand darüber und mag sie. Die Hauptidee war, zeitlose Musik zu machen, die man auch noch 2020 entdecken und hören kann, auch wenn die Band nicht mehr existiert.

2020 oder vielleicht besser 2050, in einer Welt, dominiert von digitaler Musik, wird also ein alter Mann eine Kiste mit runden Scheiben entdecken und daneben ein Abspielgerät. Er wird sich sagen: Das klingt wie früher, hat aber auch etwas Aktuelles. Es ist dieses Beharren auf einer bestimmten Note, deren ständige Wiederholung und die Simplizität der Melodien. Wooden Shjips schaffen damit einen Sound, der sich ins Gehirn frisst und stundenlang trägt, ganz ähnlich wie im Techno:

Als wir in Australien auf Tour waren, kam jemand zu uns und meinte: „Ihr macht Dance-Music für Leute, die auf die Stooges stehen.“ Es ist also klar, dass es da Sachen gibt, die wir machen, die auch andere machen, nur dass die anderen elektronische Musik spielen. Wir versuchen, die Lücke zwischen elektronischer und Rockmusik ein bisschen zu schließen.