Äthiopien im Ausnahmezustand

Der Stabilitätsfaktor schwächelt

23.02.2018

Seit Jahren erschüttern Unruhen Äthiopien. Vergangene Woche ist dann Ministerpräsident Hailemariam Desalegn von seinem Amt zurückgetreten. Nur einen Tag später hat die Regierung den Ausnahmezustand verhängt. Was ist los in Äthiopien?

Unruhen in Äthiopien

Seit mittlerweile vier Jahren wird Äthiopien immer wieder von Unruhen heimgesucht. Regelmäßig kommt es zu Zusammenstößen zwischen Zivilbevölkerung und Militär. Dabei sind im vergangenen Dezember dutzende Menschen ums Leben gekommen. Der autoritäre Machthaber, der Ministerpräsident Hailemariam Desalegn, hat zum Jahreswechsel auf die Unruhen reagiert.

Dieses große Land mit seinen 100 Millionen Einwohnern wurde in den letzten 25 Jahren von einer kleinen Minderheit regiert. Und jetzt stellen Sie sich vor, Horst Seehofer hätte in Deutschland die letzten 25 Jahre den Ton angegeben. – Ludger Schadomsky, Deutsche Welle

Überraschend hat er angekündigt, das Land politisch zu öffnen. Tausende politische Häftlinge wurden daraufhin entlassen. Doch die Lage in Äthiopien hat sich daraufhin nicht wirklich beruhigt. Im Gegenteil.

In manchen Regionen wurden die Freilassungen so frenetisch gefeiert, dass die Regierung dies als Misstrauensbekundung wertete. Vergangene Woche ist Ministerpräsident Hailemariam Desalegn daraufhin von seinem Amt zurückgetreten.

Was kommt nach dem Rücktritt des Präsidenten?

Nur einen Tag später hat das Regime den Ausnahmezustand ausgerufen. Jetzt sind Versammlungen verboten. Und Polizei sowie Militär dürfen ohne richterlichen Beschluss Menschen verhaften und ihre Häuser durchsuchen.

Mit dem Rücktritt von Ministerpräsident Hailemariam Desalegn werden die Karten neu gemischt. Und es ist wirklich offen, in welche Richtung das gehen wird. – Ludger Schadomsky

Ob sich die Lage wieder beruhigt oder ob sich die Proteste ausweiten, ist nicht nur für Äthiopien von Bedeutung. Denn das Land gilt als Wirtschaftsmotor der ganzen Region. Die leidet wegen der Bürgerkriege in Somalia und Südsudan ohnehin seit Jahrzehnten.

Wie die Lage vor Ort ist und was auf die Bevölkerung nach dem Rücktritt von Desalegn zukommt, darüber haben detektor.fm-Moderatorinnen Sara Steinert und Lilly Wagner mit Ludger Schadomsky gesprochen. Er ist Leiter des äthiopischen Sprachzentrums bei der Deutschen Welle und beobachtet seit Jahren die Vorgänge im Land.

Ludger Schadomsky
Deutsche Welle (DW)
Leiter DW-Amharisch // Head of Amharic Service

Tel: +49.228.429-4971
Fax: +49.228.429-4800
Ludger.Schadomsky@dw.com


Foto: Philipp Böll / DW am 14.02.2018Es ist eigentlich schade, dass man hierzulande so wenig von Äthiopien mitbekommt. Denn mittlerweile ist das Land auch ein wichtiger Wirtschaftspartner Deutschlands.Ludger Schadomskyhat für die Deutsche Welle Äthiopien im Blick. 

Redaktion: Philipp Weimar