Afghanistan | Taliban-Angriff auf Parlament in Kabul

Ein Schrecken ohne Ende?

22.06.2015

Am frühen Morgen hat erst eine Explosion und dann Schüsse die Straßen vor dem Parlament in Kabul erschüttert. Ein Blick nach Afghanistan verrät, dass die Übergriffe der Taliban auf einzelne Regionen seit dem Abzug der internationalen Sicherheitstruppen zunehmen. Wie steht es um die politische Situation im Land am Hindukusch?

Angriff auf das Parlament

Nach den Ereignissen des heutigen Morgens richten sich viele Blicke erneut auf Afghanistan. Ein Land, das seit Jahren mit großen Konflikten zu kämpfen hat. Erst vor wenigen Wochen haben die letzten ISAF-Truppen, dreizehn Jahre nach dem Sturz der Taliban-Regierung, die letzten Regionen des Landes verlassen. Die Großoffensiven der Taliban haben seither in einigen Regionen des Landes zugenommen.

Ich würde sagen, es gab an sich nie einen echten Prozess der Demokratisierung in Afghanistan. Der ist bereits damals gescheitert, als er eingeleutet wurde. – Conrad Schetter, Afghanistan-Kenner am Bonn International Center for Conversion

Ein gescheiterter Prozess

Der Demokratisierungsprozess ist 2002 mit der provisorischen Regierung begonnen worden. Schon zu Beginn ist er von vielen Seiten kritisiert worden. Heute, dreizehn Jahre später, kämpft das Land nach wie vor mit der Instabilität. Seit 2010 haben sich die ISAF-Truppen nach und nach aus den Regionen Afghanistans zurückgezogen und die militärischen Aufgaben zurück an die Afghanische Nationalarmee übergeben. Der heutige Anschlag auf das Zentrum der Demokratie des Landes, auf das Parlament in Kabul, verdeutlicht die Probleme der gewollten und gescheiterten Demokratisierung auf Zeit.

Blick nach vorne

Wie steht es derzeit um die politische Situation im Land? Haben die Taliban seit 2010 an Macht gewonnen? Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Jennifer Stange mit Conrad Schetter vom Bonn International Center for Conversion gesprochen. Er gilt als einer der profiliertesten deutschen Kenner Afghanistans.

Conrad_Schetter-150x1991Wir erleben eine Situation, in der man sehr nüchtern feststellen muss, dass die Interventionen in Afghanistan sehr wenig positiven Wiederaufbau geleistet haben und wir in vielen Regionen eine Rückkehr hin zu den Verhältnissen haben, wie sie vor 2001 bestanden.Prof. Dr. Conrad Schetterist Afghanistan-Experte und arbeitet am Bonn International Center for Conversion. 

Redaktion: Hannah Ziegler