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Afghanistan: aus Empörung wird Gewalt – aber der Flächenbrand bleibt aus

Vier Tage halten die Proteste in Afghanistan bereits an. Die Bundeswehr hat sich vorzeitig vom Stützpunkt Talokan zurückgezogen. Droht die Situation zu eskalieren?

Conrad Schetter - forscht am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn.

forscht am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn.
Conrad Schetter

Anfang der Woche hatten amerikanische Soldaten im Lager Bagram Koran-Ausgaben verbrannt. Das Empören der afgahnischen Bevölkerung ist vielerorts in Gewalt umgeschlagen. Auch eine Entschuldigung von Präsident Obama konnte die aufgebrachten Afghanen nicht besänftigen.

Heute, am Freitag, findet das traditionell wichtigste Gebet der Woche in der islamischen Welt statt. Im Mittelpunkt der Gebete steht die Predigt des Imams über spirituelle Erbauung und aktuelle Geschehnisse. Der Vorwurf der Koranschändung wurde dort thematisiert. Viele haben erwartet, dass die Proteste sich dadurch weiter zuspitzen würden – doch der befürchtete Flächenbrand blieb vorerst aus.

Wie die Lage in Afghanistan gerade aussieht, wie der rasche Rückzug der Bundeswehr aus dem Stützpunkt Talokan zu werten ist und warum die entschuldigenden Worte des Westens die Situation nicht beruhigen können, erklärt Conrad Schetter. Er ist Afghanistan-Experten am Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung.

Wir haben immer wieder diese Eskalation in den letzten Jahren. Meistens handelt es sich aber um Mobilisierungsschübe, die aber nur wenige Tage anschwellen.