Analyse der Wahl in Schweden

"Das Bild der Sehnsucht ist zerstört"

10.09.2018

In Schweden hat man am Wochenende über das zukünftige Parlament abgestimmt. Besonders die rechtspopulistischen Schwedendemokraten haben an Stimmen aufgeholt. Was bedeutet das für die Regierungsbildung?

Vorläufige Wahlergebnisse

Obwohl die endgültigen Ergebnisse noch bis Mittwoch ausstehen, zeigen die schon ausgezählten Stimmen der Wahl in Schweden das, was viele befürchtet hatten. Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten haben einen großen Zuwachs verzeichnet. Zwar haben sie entgegen der eigenen Erwartungen nicht die meisten Stimmen bekommen, sind mit bisher 17,7 Prozent der Stimmen aber drittstärkste Partei. Die meisten Stimmen konnten aber die Sozialdemokraten für sich gewinnen, allerdings mit einem historischen Tief von 28,3 Prozent. Mit 19,8 Prozent liegen die als konservativ eingeordneten Moderaten auf Platz zwei.

„Man geriert sich als Schwiegermutters Liebling“

Unter Parteichef Jimmie Akesson habe sich die Partei der Schwedendemokraten von ihrem Image der Glatzköpfe und Springerstiefel distanziert, so Bernd Henningsen vom Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Dementsprechend haben die rechtspopulistischen Schwedendemokraten von dem gleichen Rechtsruck profitieren können, der derzeit überall in Europa zu sehen sei. Der Erfolg des Rechtspopulismus im sonst so liberalen Skandinavien überrascht ihn nicht:

Was allenfalls überraschen könnte, wäre, dass Schweden nach den anderen vier Ländern [Skandinaviens – Anm. d. R.] das Letzte ist. Diese Sehnsucht nach der liberalen Demokratie, die wir in Schweden immer gesehen haben, dieses Bild ist jetzt zerstört. – Bernd Henningsen

Schwierige Regierungsbildung

Bis die endgültigen Ergebnisse einschließlich der Briefwahlzettel ausgezählt sind, ist noch ungewiss, wer genau die künftige Regierung Schwedens anführen wird. Nichtsdestotrotz ist klar, dass sowohl Sozialdemokraten als auch Moderate über ihren Schatten springen müssten, um eine Koalition mit den Schwedendemokraten auszuschließen.

Jetzt werden wir abwarten müssen, wie sich die Lage weiter entwickelt. Ob nicht doch eine der – nach heutigem Stand – bürgerlichen Parteien über das Stöckchen springt und das sozialdemokratisch-sozialistische Lager unterstützt. – Bernd Henningsen

Über die Ergebnisse der Wahl in Schweden und deren Konsequenzen hat detektor.fm-Moderatorin Helena Schmidt mit Bernd Henningsen gesprochen. Er ist Mitherausgeber einiger Fachpublikationen zum Thema Skandinavistik.

Bernd Henningsen_webDas ist ja, was man seit Jahren nicht wahrnehmen will außerhalb Skandinaviens, weder in Amerika, noch bei uns. Seit Anfang der 70er Jahre haben wir es in Norwegen, Dänemark und Schweden mit einem Populismus zu tun, der sich relativ rasch zu einem Rechtspopulismus entwickelt hat. Bernd HenningsenHonoraprofessor am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. 

Redaktion: Yannic Walter und Valérie Eiseler