Angriff auf Hilfsorganisationen

Krieg ohne Grenzen

23.09.2016

Es gibt Menschen, die wollen anderen Menschen helfen. Egal welcher Religion, Rasse oder Nationalität diese angehören. Sie bringen in Krisenregionen ein Stück Zivilisation zurück. Doch Hilfsorganisationen sind verwundbar - und werden in Konflikten immer öfter auch zum Ziel.

In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt, so lautet ein geflügeltes Wort.

Die Welt ist nach dem Angriff auf einen Hilfskonvoi der Vereinten Nationen in Syrien geschockt. Die LKWs sollten die Menschen in der Kriegsregion Aleppo mit Hilfsgütern versorgen. Die Frage nach der Schuld an dieser Katastrophe füllt seit Tagen alle Nachrichtenseiten. Wer wagt es, eine neutrale Hilfsorganisation zu attackieren? Die Antwort darauf lautet wohl: Nicht einer, sondern alle.

Jeder gegen jeden gegen alles

Trotz Genfer Konventionen, Versprechen, Absprachen und Gesetzen sind Angriffe auf Krankenhäuser, Ärzte, Mitarbeiter und Helfer von Hilfsorganisationen schon lange keine Seltenheit mehr.

Die Angriffe in Syrien auf Hilfsorganisationen sind zur täglichen Realität geworden. Als Normalität dürfen wir sie aber niemals akzeptieren. – Florian Westphal, Ärzte ohne Grenzen

Die Angriffe erfolgen nicht nur auf Befehl irgendwelcher hemmungsloser Diktatoren, Regimes oder Rebellenführer, sondern auch durch westliche Staaten. So sind die USA im Oktober 2015 für einen Angriff auf ein Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen verantwortlich gewesen. Damals starben 31 Menschen.

Auch im Irakkrieg und bei den immer wieder aufflammenden Konflikten in Afghanistan gerieten Hilfsorganisationen zwischen die Fronten und beklagten eine Vielzahl an Opfern. Es gibt tausende Helfer, die weltweit in Gebieten humanitärer Katastrophen ihre Hilfe anbieten. Nicht immer heißt man sie mit offenen Armen willkommen. Denn des einen Freund ist des anderen Feind. Und wer will schon, dass der Gegner von der humanitären Hilfe mehr profitiert als man selbst?

Zum Schutz der Hilfsorganisationen

Der Schutz von Hilfsorganisationen steht auf den sehr wackeligen Füßen des internationalen „Ehrenkodexes“, zusammengefasst in den Genfer Konventionen: Menschen, die nicht (mehr) kämpfen, haben das Recht auf Hilfe und Schutz. Egal ob es sich dabei um Kranke, Verwundete, Kriegsgefangene, Zivilisten oder Soldaten handelt.

196 Staaten haben die Konventionen weltweit ratifiziert, das heißt, sie haben die Regelungen in ihren nationalen Gesetzen verankert und können bei Verstößen bestraft werden. Doch der tragische Angriff auf den UN-Hilfskonvoi in dieser Woche zeigt einmal mehr: Es ist so gut wie unmöglich, eindeutige Schuld nachzuweisen. Vor allem im Chaos eines Stellvertreterkrieges.

Über Angriffe auf Hilfsorganisationen in Krisenregionen hat detektor.fm-Moderatorin Anna Corves mit Florian Westphal gesprochen. Er ist Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland.

Florian Westphal_Barbara SiggeDer Grund, warum humanitäre Hilfsorganisationen in Teilen von Syrien nicht tätig sind, ist, dass die dortigen Konfliktparteien eine solche Hilfe bewusst nicht zulassen.Florian Westphalist Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland. 

Redaktion: Jonathan Gruber