Menschen mit Fluchterfahrung im öffentlichen Dienst

Die gleiche Fluchterfahrung

04.07.2016

Sogenannte Flüchtlingsmanager sollen bei Konflikten zwischen Geflüchteten vermitteln. Dabei wäre es sinnvoll, diese Vermittler würden über "eigene Fluchterfahrung" verfügen, meint der Deutsche Städte- und Gemeindebund.

Lebenswelt der Flüchtlinge kennen

Menschen mit Fluchterfahrung in den öffentlichen Dienst: Dafür plädiert der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Gerd Landsberg. Es solle versucht werden, den Anteil von Migranten in der öffentlichen Verwaltung zu erhöhen. Sogenannte Flüchtlingsmanager könnten bei Konflikten zum Beispiel in Übergangswohnheimen leichter eine Einigung erzielen. Sie würden die Probleme eines Neuankömmlings kennen und deren Sprache sprechen, meint Landsberg. Dies gelte auch für den Polizeidienst, sagt er im Gespräch mit Journalisten der Welt.

Die CDU-Bundestagsfraktion hat bezüglich dieses Vorschlags Bedenken angemeldet. Polizeikräfte mit Migrationserfahrung seien erwünscht, aber bei Einstellungsvoraussetzung und Leistungsstandards dürften keine Abstriche gemacht werden, so der Großstadtbeauftragte Kai Wegner (CDU) gegenüber der Welt.

Menschen mit Fluchterfahrung

Natürlich müsse ein Polizist weiterhin über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügen, die deutsche Sprache sprechen und die deutsche Rechtsordnung achten. Um diese Voraussetzungen zu erfüllen, bedarf es für Flüchtlinge meist fünf bis zehn Jahre, meint auch Landsberg.

Es spricht aber nichts dagegen, wenn eine syrische Kindergärtnerin nach einer Übergangszeit auch hier als Erzieherin arbeitet. – Dr. Gerd Landsberg, Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

In anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes könnten Migranten jedoch schon eher einsteigen und wichtige Brückenbauer zwischen Verwaltung und Bevölkerung sein. Außerdem sei es im Hinblick auf den demografischen Wandel und sinkendes Erwerbspersonenpotenzial mehr als sinnvoll, eine neue Gruppe von geeigneten Bewerbern zu erschließen.

Um dies zu ermöglichen, müssten jedoch Hemmnisse und Vorurteile bei Auswahl und Einstellung der Bewerber mit Migrationshintergrund beseitigt und die öffentliche Verwaltung für interkulturelle Vielfalt sensibilisiert werden. Folglich werde sich auch das Interesse für entsprechende Stellen bei den Migranten steigern.

detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg hat mit Dr. Gerd Landsberg, dem Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, über den Vorschlag gesprochen.

Dr. Gerd Landsberg - Bild von Dt Städte und GemeindebundDas Wichtigste bei der Integration ist, dass wir die Menschen so schnell wie möglich in Beschäftigung bringen. Dr. Gerd Landsbergist Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Foto: DStGB