Atomexperte: »In Japan droht ein neues Tschernobyl«

15.03.2011

Die Situation in den Atomkraftwerken Fukushima -1 und -2 gerät zunehmend außer Kontrolle. Erhöhte Strahlenwerte wurden auch in Tokyo gemessen. Atomexperte Helmut Hirsch gibt eine Einschätzung der Lage.

ist Berater für nukleare Sicherheit. Foto: privatHelmut Hirschist Berater für nukleare Sicherheit. Foto: privat 

Das japanische Fernsehen blendet immer wieder Hinweise ein, wie sich die Menschen vor radioaktiver Strahlung schützen sollen: Fenster und Türen geschlossen halten, wenn möglich zu Hause bleiben und wenn doch nötig, dann beim Verlassen des Hauses eine Maske oder ein feuchtes Tuch vor den Mund halten. Auch Wasser aus der Leitung sollte nicht mehr getrunken werden. Unterdessen wird verzweifelt versucht, die Brennstäbe in den Reaktoren von Fukushima 1 mit Meerwasser zu kühlen und eine Kernschmelze, so sie denn noch nicht in Gang ist, abzuwenden oder wenigstens zu verzögern.

Die französische Behörde für Atomsicherheit (ASN) stufte den Unfall in Japan auf die Stufe 6 – das ist die zweithöchste Stufe auf der INES-Skala, welche die Schwere einer Atomkatastrophe bestimmt. Nur Tschernobyl erreichte bisher die höchste Stufe. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte den Vorfall zunächst auf Stufe 4 eingestuft.

Die deutsche Regierung reagierte auf die nukleare Katastrophe in Japan: Scheibchenweise kommt sie nun den Forderungen der Opposition nach. Zunächst gab Bundeskanzlerin Angela Merkel die Aussetzung der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke für drei Monate bekannt. Dann legte Ministerpräsident Stefan Mappus nach und erklärte die Stilllegung von Neckarwestheim I. Auch das Kernkraftwerk Isar 1 im niederbayerischen Essenbach soll noch heute Abend vom Netz genommen werden, wie ein Sprecher mitteilte.

 

Bloßes Wahlkampfgeplänkel oder der Beginn einer Kehrtwende in der deutschen Atompolitik? Ob uns mit Fukushima ein zweites Tschernobyl droht und wie sinnvoll die dreimonatige Aussetzung der Laufzeitverlängerung ist, darüber haben wir mit dem Berater für nukleare Sicherheit, Helmut Hirsch, gesprochen:

Eine ernsthafte Überprüfung, die den Namen verdient, ist in drei Monaten gar nicht möglich. (Helmut Hirsch zum Moratorium für alte deutsche Kraftwerke)