Aufrüstung | Russlands Atompläne

Neuer Kalter Krieg? - Neues Wettrüsten?

17.06.2015

Russland will sein Atom-Arsenal ausbauen - und 40 neue Interkontinentalraketen anschaffen. Diese können jeweils mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Das wird auch als Antwort auf wachsende Spannungen mit dem Westen gesehen. Von "neuem Wettrüsten" und "Kaltem Krieg" ist die Rede - Unfug, findet unser Interviewpartner: für den Sicherheitsforscher sind die Meldungen wenig überraschend.

Russlands neue Atomraketen

Der Wind weht wieder kälter – so lesen sich heute viele Schlagzeilen. Grund der Besorgnis ist die Ankündigung von Russlands Staatschef Wladimir Putin. Bis zum Jahresende will Russland sein Atomwaffenarsenal um 40 neue Interkontinentalraketen vervollständigen, die jeweils mit Atom-Sprengköpfen bestückt werden können.

Die neuen Waffen sollen laut Putin dazu in der Lage sein, jedes moderne Abwehrsystem zu überwinden. US-Außenminister John Kerry zeigt sich über die neuesten Pläne Putins besorgt und hofft darauf, dass beide Seiten nicht in eine Spirale des Wettrüsten gezwungen werden.

Allerdings arbeitet Russland seit längerer Zeit an der Modernisierung des eigenen Atomwaffenarsenals, denn viele gelten als schlichtweg veraltet. Experten befürchten nun ein erneutes Wettrüsten.

Die Nato strebt keine Konfrontation an

Russland warnt vor einer militärischen Konfrontation in Europa. Die Ankündigung Moskaus darf daher als Reaktion auf die jüngsten Stationierungspläne der Amerikaner in Osteuropa gewertet werden. Die gegenseitige Rüstungsrhetorik zeigt deutlich das wachsende Misstrauen zwischen Russland und dem Westen aufgrund des Ukraine-Konflikts.

Besonders die osteuropäischen Länder- wie die baltischen Staaten und Polen – fühlen sich zunehmend von Russland bedroht und wünschen sich zur Abschreckung eine stärkere Nato-Präsenz. So ist die Anzahl militärischer Manöver ist in den vergangenen Monaten auf beiden Seiten deutlich angestiegen.

Außerdem rotieren inzwischen fortwährend westliche Truppen durch die Staaten der europäischen Ostflanke. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte jedoch deutlich gemacht, dass sie eine dauerhafte Stationierung von Nato-Kampftruppen in Osteuropa als Verstoß gegen die Nato-Russland-Grundakte ablehnt.

Nato-Generalsekräter Jens Stoltenberg betont aber, dass die Nato keinerlei Konfrontation sondern ein konstruktives Verhältnis zu Russland anstrebe. Dennoch kritisert Stoltenberg die russische Nuklear-Aufrüstung. „Das nukleare Säbelrasseln Russlands ist ungerechtfertigt, destabilisierend, und es ist gefährlich“, sagte Stoltenberg in Brüssel.

Russland hat größtes Atomwaffenarseanal

Nukleares Säbelrasseln, oder einfach nur Russlandschelte? Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri verfügt Russland unter den Atommächten der Welt über die meisten Nuklearwaffen. Insgesamt sank ihre Anzahl zwar im Vergleich der Jahre 2014 und 2015 von 8.000 auf 7.500 Stück, doch die Menge der einsatzbereiten Sprengköpfe stieg.

Tendenziell zeigen die USA eine ähnliche Entwicklung. Beide Staaten betreiben laut den Sipri-Forschern derzeit umfassende und teure langfristige Modernisierungsprogramme ihrer nuklearen Arsenale.

Über Präsident Putins jüngste Atompläne und deren Bedeutung, sowie über die Sorge vor einen neuen Wettrüsten hat detektor.fm-Moderatorin Theresa Nehm mit Joachim Krause gesprochen. Er ist Professor am Institut für Sicherheitspolitk der Universität Kiel.

JoachimKrause_2014Das russische Regime provoziert den Westen aus einer inneren Schwäche heraus, um die Reihen geschlossen zu halten. Es ist eine Ausflucht, um einem Aufstand der Bevölkerung entgegen zu treten. Die Mobiliserung der Massen für Kriegsziele beunruhigt mich und das ist keine Reaktion auf den Westen.Joachim Krause Professor am Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel. 

Redaktion: Carsten Jänicke