US-Botschafter räumt Platz und zieht Bilanz

"Deutschland darf patriotischer sein!"

19.12.2016

Barack Obama räumt seinen Platz für Donald Trump. Deshalb muss auch der US-Botschafter John B. Emerson in Berlin seinen Hut nehmen. Auf seiner Abschiedstour zieht er Bilanz.

Die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten hat weltweit enorm viel Aufmerksamkeit bekommen. Mit dem Präsidenten wechselt naturgemäß auch die dazugehörige Verwaltung. Das beinhaltet auch einige US-Botschafter. Dass der Demokrat John B. Emerson seinen Platz als Botschafter in Berlin wird räumen müssen, war nach dem Sieg des Republikaners Trump schnell klar. Bevor er in die USA zurückkehrt, geht der rangoberste amerikanische Diplomat in Deutschland deshalb noch mal auf Abschiedstournee.

Zweifel am Verhältnis von Merkel und Trump

Zum Job von John B. Emerson hat es über drei Jahre lang gehört, die Politik der Vereinigten Staaten in Deutschland zu vertreten. Angesichts des Wahlkampfes und der Versprechen Trumps, kommen Bedenken auf, wie der künftige US-Präsident und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Zukunft zusammen arbeiten sollen. Trump hatte Merkel während seines Wahlkampfes vereinzelt angegriffen. Die Bundeskanzlerin hatte bei ihrem Statement zur Wahl des Republikaners klar gemacht, mit Trump zusammenarbeiten zu wollen, wenn dieser sich an verschiedene Regeln halte. Nach Emersons Auffassung wird sich das Verhältnis erst entwickeln müssen.

US-Botschafter zum deutsch-amerikanischen Verhältnis

Die heutige Beziehung zwischen Obama und Merkel ist jedoch auch das Ergebnis eines langen Prozesses. Bei Obamas Amtsantritt konnte man noch nicht von einer Liebe auf den ersten Blick zwischen den Regierungschefs sprechen. Heute bezeichnen sich beide gegenseitig als wichtigste Partner und Vertraute auf der internationalen Bühne.

Mit persönlichem Engagement und starken Mühen, die unterschiedlichen Facetten Deutschlands zu verstehen, sollte der neue Botschafter einen guten Job machen. – John B. Emerson, US-Botschafter

John B. Emerson ist sicher, die deutsch-amerikanische Beziehung wird in Zukunft vor allem davon abhängen, offen und ehrlich aufeinander zuzugehen.

US-Botschafter: Rolle der USA in der Welt ändert sich

In jedem Fall hat Donald Trump Europa bereits aufgefordert, mehr für die eigene Sicherheit zu tun. Er will dafür sorgen, dass sich die Vereinigten Staaten militärisch nicht mehr so intensiv in internationalen Konflikten engagieren. Bereits unter Barack Obama hat sich die internationale Rolle der USA geändert: weg von der Weltpolizei, die Konflikte im Alleingang angeht, hin zu mehr Zurückhaltung und Kooperation mit Verbündeten.

Noch ist nicht klar, wie genau Donald Trump als Präsident agieren wird. Der scheidende US-Botschafter ist sich sicher, dass sich die Dinge in der Welt und somit auch die außenpolitische Position der Vereinigten Staaten bewegen werden. Im Gespräch mit detektor.fm-Redakteur Joachim Plingen zieht er eine Bilanz seiner Amtszeit. Dabei erklärt John B. Emerson, wieso es Deutschland bei der Integration helfen könnte, patriotischer zu sein und wie Deutschland und die Vereinigten Staaten die Zukunft auch mit Donald Trump gemeinsam angehen können.

Das Interview in voller Länge: