Berliner Republik | AfD-Konflikt Petry vs. Lucke

Petry Heil?

06.07.2015

Machtwechsel in der Alternative für Deutschland: Frauke Petry löst Bernd Lucke als Parteivorsitzende ab. Das spiegelt den Rechtsruck der ohnehin von der Mitte entfernten Partei wider. Doch was bedeuten die Neuigkeiten vom rechten Rand für die restliche Parteienlandschaft? Alexander Görlach von The European ordnet ein.

Ein Riss geht durch die AfD

Steht die „Alternative für Deutschland“ vor der inneren Spaltung? Bernd Lucke, AfDler der ersten Stunde und ehemaliger Parteivorsitzender, ist am Wochenende nach einer Mitgliederbefragung von Frauke Petry abgelöst worden. Mit 60 Prozent der Stimmen ist Petry neue Parteivorsitzende geworden. Die neue Vorsitzende wird dabei dem nationalkonservativen Flügel der AfD zugeordnet. An ihrer Seite stehen die Stellvertreter Beatrix von Storch und Alexander Gauland. Damit scheinen sich die Parteimitglieder für einen politischen Kurswechsel ausgesprochen zu haben.

Es gibt ein Sediment an rechten Einstellungen in breiten Teilen der Bevölkerung. Es gibt aber wenige Menschen, die ein geschlossenes, rechtes Weltbild besitzen. – Alexander Görlach, The European

Radikaler Rechtsruck?

In dem parteiinternen Konflikt ist ein Wendepunkt erreicht. Der Parteigründer Lucke hatte sich seit Monaten mit einer Opposition innerhalb der AfD konfrontiert gesehen. Radikale Stimmen haben einen rechteren Partei-Kurs gefordert, der sich von den eurokritischen Ideen Luckes deutlich unterscheidet. Frauke Petry, die sächsische Nationalkonservative, hat die Kritiker hinter sich vereint. Gleichzeitig hat Lucke seine Anhänger in dem Verein ‚Weckruf 2015‘ gesammelt. Vergebens: Am Wochenende ist der Machtwechsel innerhalb der AfD perfekt gemacht worden. Kurz darauf sind die ersten Lucke-Anhänger aus der Partei ausgetreten. Möglicherweise organisieren sich die Lucke-Anhänger in einer neuen Partei, die dem Weckruf-Verein ähnelt.

Konservativer Stimmenfang?

Der offene Machtkampf in der AfD und der Parteitag wird im politischen Berlin in dieser Woche intensiv diskutiert. Besonders in der CDU dürften einige auf eine schwächere Partei rechts der Mitte hoffen.

Über die Veränderungen in der AfD und den Einfluss auf die Parteienlandschaft hat detektor.fm-Moderator Andreas Bischof mit Alexander Görlach gesprochen. Er ist Herausgeber des Debatten-Magazins The European.

. forscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke.Die CSU glaubt immer noch, dass die Bayern jeden Sonntag in die Messe gehen und ansonsten mit ihren Cousins und Cousinen eifrig Nachfahren zeugen.Alexander Görlachist Chefredakteur und Herausgeber von "The European". 

Redaktion: Richard Hees

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