Berliner Republik | Desinteresse an Bundestagsdebatten

Das unsichtbare Parlament

08.12.2014

Leere Sitzungssäle, kaum Berichterstattung: Die Bundestagsdebatten in Berlin scheinen weder Politiker noch Bürger zu interessieren. Das zumindest geht aus den Zahlen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Demnach hat nur ein Viertel der Deutschen in den letzten Monaten eine Debatte in den Nachrichten mitverfolgt.

Die Pressestelle des Deutschen Bundestags beschreibt den Bundestag auf ihrer Internetseite als das „Herz der Demokratie“. Und als Herz ist er dafür zuständig, das Volk zu repräsentieren. Soweit die Theorie. Doch in der Realität, scheint dieses Herzstück der Demokratie kaum noch jemanden zu interessieren. Das jedenfalls geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach hervor. Immer weniger Menschen interessieren sich für die dort geführten Debatten, nur ein Viertel aller Befragten hat in den vergangenen Monaten eine Bundestagssitzung in den Nachrichten oder als Mitschnitt verfolgt. Die Experten der Studie kommen zu dem Schluss, dass das Parlament für viele Deutsche unsichtbar bleibt.

Jüngere und Ostdeutsche sind desinteressiert

Vor allem die jüngste Gruppe der Befragten, zwischen 16 und 29 Jahren, interessiert sich demnach nicht für den Bundestag. Zudem haben die Forscher in Ost- und Westdeutsche unterteilt. Das Interesse der Ostdeutschen an Parlamentsdebatten ist demnach geringer.

Selbst die Befragten, die die Debatten verfolgen, konnten sich kaum noch an einzelne Themen erinnern. Die 26 Prozent der Befragten, die sich noch an eine Debatte erinnern konnten, sollten einzelne Schwerpunkte nennen: 66 Prozent haben hierbei die Waffenlieferungen angegeben, an die PKW-Maut und die Ukraine-Krise erinnerten sich jeweils weniger als 15 Prozent der Interessierten.

Medienberichterstattung mangelhaft

Die fehlende Wahrnehmung der Bundestagsdebatten in der Gesellschaft hat auch Auswirkungen auf das Wissen um die Regierung. Nur jeder zweite Deutsche weiß offenbar, welche Parteien regierungsbildend und welche in der Oposition vertreten sind.

Die Forscher der Bertelsmann-Stiftung haben versucht, die Ursachen für das Desinteresse zu ermitteln. Dafür haben sie deutsche Print- und Onlinemedien auf ihre Berichterstattung zu den Bundestagsdebatten überprüft. Während im ersten Jahr der Großen Koalition noch 468 Beiträge veröffentlicht worden sind, sind im vergangenen Jahr nur noch 275 Beiträge gezählt worden. Für die Forscher ein alamierendes Ergebnis: Selbst über Dax-Unternehmen wie Volkswagen und Siemens wird mehr berichtet.

detektor.fm-Moderatorin Maj-Britt Schweigler hat mit Alexander Görlach vom Debatten-Magazin The European über die Gründe des Desinteresses an den politischen Debatten und die neuen Besitzer des Debattenmagazins gesprochen.

Herausgeber und Chefredakteur von «The European»In Zeiten des Internets ist die Konkurrenzsituation größer für die Medien. Deshalb sind auch die Politiker vorsichtiger geworden, sich zu äußern. Die beiden Faktoren bedingen einander und machen es schwer, über Bundestagsdebatten ausreichend zu berichten. Alexander GörlachHerausgeber und Chefredakteur von «The European» 

Redaktion: Jenny Barke

Es hat sich eher zufällig ergeben, dass Bernd Förtsch auf uns gestoßen ist und wir ins Gespräch kamen. Wir können uns nun in aller Sorgfalt und Ruhe Wachstumsschritte für das Unternehmen überlegen. Wir sind uns ziemlich einig, dass wir die Frequenz des Print-Magazins auf bis zu zehn Mal erhöhen wollen. – Alexander Görlach über den Besitzerwechsel bei The European

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Welche aktuellen Debatten bewegen das politische Berlin? Was sorgt bei den Politikern für Sorgenfalten? Braut sich da gerade etwas Brisantes im Bundestag zusammen? Darüber sprechen wir jeden Montag mit den Machern des Debatten-Magazins The European in der Berliner Republik , dem politischen Gespräch der Woche.

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