Berliner Republik | Reaktionen zur Griechenland-Krise

Krise ohne Ende

29.06.2015

Die Große Koalition in Berlin ist über Tsipras Referendums-Überfall empört. Die Entscheidung der griechischen Regierung für eine Volksabstimmung über die von den Gläubigern geforderten Reformen sorgt für kritische Reaktionen. Droht die Euro-Rettungspolitik aus fünf Jahren innerhalb weniger Tage zerstört zu werden?

Griechenland-Krise verschärft sich

Die Verhandlungen mit den Geldgebern sind gescheitert, ob und wie sie fortgeführt werden, ist heute offen. Die Schuldenkrise kann in den nächsten Tagen ein dramatisches Ende finden. Griechenland droht ein Finanzchaos und der Staatsbankrott. Die Empörung nach der plötzlichen Referendums-Idee des griechischen Regierungschefs ist groß. Verärgerung und Unverständnis prägen die Reaktionen von Vertretern der Großen Koalition in Berlin. Die Debatte über Athens Schuldenkrise hat bei den deutschen Politikern eine neue Qualität erreicht. Außenminister Steinmeier meint: Tsipras nimmt die Griechen in Geiselhaft. Die Opposition im Bundestag fordert von Kanzlerin Angela Merkel nun ein entschiedenes Handeln. Die Oppostion spricht der Kanzlerin eine erhebliche Mitschuld an der prekären Lage in Griechenland zu.

Berlin im Bann der Krise

Europa hat am Wochenende einen historischen Bruch erlebt. Die Griechenland-Krise stellt Europa nun vor die größte Zerreißprobe seit Beginn des Einigungsprozesses mit den Römischen Verträgen von 1957. Denn die Griechenland-Krise hat jetzt einen Eskalationsgrad erreicht, der sich nach Ansicht vieler Kritiker angesichts der Entscheidungen der griechischen Regierung lange Zeit angebahnt hat. Was mit Griechenland nach der Zuspitzung der Ereignisse in Athen und Brüssel während des vergangenen Wochenendes passieren wird, weiß zur Stunde niemand. Auch Berlin steht in diesen Tagen im Bann der Griechenland- Krise. Angesichts der drohenden Staatspleite in Athen hat Kanzlerin Merkel die Partei- und Fraktionschefs der Bundestagsparteien heute ins Kanzleramt eingeladen.

Der griechische Prügelknabe

Bei aller gerechtfertigter Kritik sollte nach Ansicht vieler Politiker die Schelte nicht übertrieben werden.  SPD-Chef Sigmar Gabriel zum Beispiel sagte am Wochenende, es wäre klug, die Referendumsidee des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras „nicht gleich abzutun“. Viele Politiker werfen Tsipras vor, dass er das Referendum nicht früher angesetzt hat und dass er nicht die richtige Frage stellt: Nämlich nach dem Verbleib in der europäischen Währungsunion.

Es gibt auch Stimmen, die davor warnen, die griechische Misere allein dem griechischen Regierungschef und seinem Regierungsbündnis anzuheften. Regieren sie Griechenland doch erst seit Januar, die „Troika“, Merkel und Co. hingegen betreiben schon seit fünf Jahren ihre Politik zur Euro-Rettung. Offenbar ist die Strategie der Euro-Rettung gescheitert.

Über die Griechenland-Krise und die Folgen für Berlin hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit Alexander Görlach gesprochen. Er ist Herausgeber des Debatten-Magazins „The European“.

. forscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke.Die Griechen haben jetzt eine Regierung die nicht rational agiert, das hat sich schon seit Monaten angedeutet.Alexander Görlachzweifelt daran, dass ein schnelles Referendum möglich ist. 

Redaktion: Carsten Jänicke

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