Bilderberg-Konferenz tagt in Österreich

Die geheime Elite?

12.06.2015

Während auf Schloss Elmau noch die Reste des G7-Gipfels zusammengefegt werden, tagt eine Ecke weiter schon die nächste Konferenz mit den Mächtigen der Welt. Die Bilderberg-Konferenz ist im österreichischen Telfs zu Gast. Die Geheimniskrämerei rund um die Konferenz ist Anlass für viele Verschwörungstheoretiker, dahinter mehr als nur ein informelles Treffen zu vermuten. Welchen Einfluss haben die "Bilderberger" wirklich?

Jedes Jahr treffen sich bei der Bilderberg-Konferenz rund 140 Politiker, Wirtschaftschefs, Wissenschaftler, Militärs und Medienvertreter in den schönsten und teuersten Hotels Europas und Nordamerikas. Auf ihrer Tagesagenda stehen die großen Fragen der aktuellen Weltpolitik – dieses Jahr etwa Syrien, Netzsicherheit und Terrorismus. Von den jährlich wechselnden deutschen Vertretern kommen 2015 unter anderem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der Axel-Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner in den Genuss.

Geheime Weltregierung?

Gegründet wurde die Bilderberg-Konferenz 1954, um den Austausch zwischen Europa und Nordamerika zu fördern. Diesen Hintergrund verfolgen die Veranstalter auch heute noch. Teilnehmer aus Afrika oder Asien sucht man vergeblich. Der Name leitet sich von dem ersten Tagungsort der Bilderberger ab: Das Hotel de Bilderberg in Holland.

Lange Zeit war über das Treffen sehr wenig bekannt. Erst in den 90er Jahren wurde das öffentliche Interesse von Skeptikern stärker auf die Konferenz gelenkt. Die hohen Sicherheitsvorkehrungen und die Verschwiegenheit über Themen, Teilnehmer und Ergebnisse riefen die Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Teilweise wurden die Bilderberger zur geheimen Weltregierung hochstilisiert. Auch dieses Jahr wollen in Telfs mehreren hundert Kritiker gegen die Konferenz demonstrieren.

Teilnehmerliste nun online

Die Kritik an der Konferenz fußt nicht nur auf wirren Verschwörungstheorien. In einer Demokratie ist es nicht gern gesehen, wenn gewählte Volksvertreter mit Finanzmogulen und Militärs ein nettes Wochenende verbringen – und noch dazu nicht verraten, was dabei besprochen wurde. Außerdem tragen die Steuerzahler die Kosten für den Sicherheitseinsatz von Polizei und Militär rund um die Veranstaltung.

Die Bilderberger selbst scheinen den wilden Vermutungen seit einiger Zeit entgegen wirken zu wollen. Es gibt mittlerweile eine offizielle Website mit FAQ-Seite, sowie Pressemitteilung mit Teilnehmerliste und den Themen. Transparent ist die Bilderberg-Konferenz deshalb noch lange nicht.

Um die zahlreichen Spekulationen und Mythen rund um die Bilderberg-Konferenz mal etwas zu durchleuchten, spricht detektor.fm-Moderator Gregor Schenk mit dem Journalist und Medienforscher Uwe Krüger. Er hat sich zur Abwechslung mal auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Treffen auseinandergesetzt.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Journalistik an der Uni Leipzig. © Foto: Olivia Jasmin Czok/Uni LeipzigBilderberg ist zur Meinungsbildung und zum Networkling von transnationalen Eliten da. Dort will man erfahren, wie der andere wirklich denkt, ohne dass er sich vor einer Öffentlichkeit rechtfertigen muss.Uwe KrügerJournalist und Medienforscher an der Universität Leipzig 

Redaktion: Mona Ruzicka