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Putin nutzt Fußball als Mittel der Propaganda. Foto: A. Ricardo/shutterstock.com
Bild: A. Ricardo | shutterstock.com

Blätter-Podcast | Fußball-EM und Nationalismus, Chile, Impfstoff-Patente und Linke in Spanien

Herrschaft und Aufbruch

Ein Symbol der Vielfalt und Völkerverständigung soll die Fußball-EM der Männer sein, die am 11. Juni beginnt. Tatsächlich aber bereite der beliebteste Sport der Welt längst eine Bühne für Autokraten und Nationalisten, so der Sportjournalist Ronny Blaschke. Simone Reperger von der Friedrich-Ebert-Stiftung beschreibt den gesellschaftlichen Aufbruch in Chile, wo eine neue Verfassung mit dem Neoliberalismus brechen könnte. Der Journalist Andreas Zumach erklärt, warum die Patente auf Corona-Impfstoffe zu einer gefährlichen globalen Ungleichheit bei der Bekämpfung der Pandemie beitragen. Und die Spanien-Korrespondentin Julia Macher analysiert Aufstieg und Fall des einstigen linken Hoffnungsträgers Pablo Iglesias.

Fußball als Herrschaftsinstrument

Trotz der Coronapandemie beginnt Mitte Juni die Fußball-EM der Männer. Der europäische Fußballverband UEFA feiert die Europameisterschaft als Symbol für Frieden und Völkerverständigung und hat sich für diese EM etwas ganz besonderes ausgedacht: Zum ersten Mal in der Geschichte soll die EM gleichzeitig in elf Städten auf zwei Kontinenten stattfinden. Aber das sei nur die eine, die plakative Seite, schreibt der Sportjounalist Ronny Blaschke in den Blättern. Der Fußball ist ein willkommenes Machtinstrument und eine perfekte Bühne für die Inszenierung von Autokraten, Nationalisten und Separatisten.

Der Fußball ist das Medium, das vermutlich im frühen 21. Jahrhundert die meisten Milieus erreicht und das immer noch als vergleichsweise unpolitisch gilt.

Ronny Blaschke

Corona in Chile: das Ende des Neoliberalismus?

Mitten in der Pandemie haben die Menschen in Chile Geschichte geschrieben: Im Mai haben sie die Mitglieder eines Verfassungskonvents gewählt, das jetzt innerhalb eines Jahres einen neuen Gesellschaftsvertrag ausarbeiten soll. In ihren Händen liegen also die Zukunft des Landes und die Hoffnungen vieler Menschen. Die bestehende Verfassung stammt noch aus Zeiten der Militärdiktatur unter Pinochet. Damit erfüllt sich eine Forderung der Proteste, die seit Oktober 2019 in Chile stattgefunden haben. Die Landesvertreterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Chile Simone Reperger berichtet in den Blättern von dort.

Es geht nur um eine zentrale Kernfrage: Wie viel Markt und wie viel Staat für die Gesellschaft? Hoffentlich wird es gelingen, in Chile einen Grundstein zu legen, sodass danach sozialverträglichere Politiken möglich sind.

Simone Reperger

Umkämpfte Patente: die globale Impfstoff-Apartheid

Im Mai 2020 haben die Regierungen der reichen Industriestaaten allen anderen Ländern der Welt ihre Solidarität bei der Bekämpfung von Covid-19 und eine global-gerechte Verteilung der Impfstoffe versprochen. Mittlerweile ist die Hälfte aller schon verabreichten Impfungen in den G-7-Staaten inklusive der EU erfolgt, während im Großteil der UNO-Staaten noch keine einzige Person geimpft wurde. Weil sie genau diese Situation befürchtet hatten, haben Indien und Südafrika schon im September vergangenen Jahres bei der Welthandelsorganisation beantragt, dass die großen Pharmakonzerne ihre Patentrechte vorübergehend aussetzen sollen. Das sollte für eine deutlich höhere globale Produktion und eine schnellere gerechte Verteilung von Impfstoffen sorgen. Über die umkämpften Patente schreibt der Journalist und Publizist Andreas Zumach in den Blättern.

Es kann nicht darum gehen, dass Milliarden von Menschen die Versorgung mit vorhandenen Impfstoffen vorenthalten wird und gleichzeitig die Konzerne Milliardengewinne machen.

Andreas Zumach

Spanien: Die Niederlage des Pablo Iglesias

Am 4. Mai hat ganz Spanien gebannt auf die Wahlen in der Hauptstadtregion Madrid geschaut. Denn obwohl es nur Regionalwahlen gewesen sind, haben sie landesweite Bedeutung. Gewonnen hat die konservative Partei Partido Popular. Für die linke Partei Podemos war Parteigründer und -chef Pablo Iglesias ins Rennen gegangen. Weil er aber nur sieben Prozent der Stimmen geholt hat, hat er sofort nach der Wahl seinen Rücktritt von allen Ämtern und von der politischen Bühne verkündet. Das kam überraschend, denn vor noch nicht allzu langer Zeit wurde Iglesias noch als Hoffnungsträger der europäischen Linken gefeiert. Die Journalistin Julia Macher berichtet in den Blättern aus Spanien.

Pablo Iglesias hat seine Partei groß gemacht und er hat seine Partei dann auch wieder klein gemacht.

Julia Macher

Über diese Themen spricht detektor.fm-Moderatorin Helena Schmidt mit Autorinnen und Autoren der Blätter für deutsche und internationale Politik.

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