Botschaftsumzug nach Jerusalem

Ausschreitungen in Gaza

14.05.2018

Experten haben vor dem Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem gewarnt. Die Folgen seien unberechenbar. Nun sind die Demonstrationen gegen die neue US-Botschaft eskaliert. Über 56 Menschen sind getötet, hunderte verletzt worden.

Tote und Verletzte im Gazastreifen

Schon Stunden vor der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem durch Ivanka Trump und Jared Kushner, hat es Tote und Verletzte gegeben. Ort der Gewalt ist der Grenzzaun zwischen Israel und dem Gazastreifen. Nach Angaben des israelischen Militärs demonstrierten dort 35.000 Menschen. Sie folgten einem Aufruf der radikalislamischen Hamas zum Marsch auf die Grenzanlagen.

Im Gazastreifen versuchen zehntausende Palästinenser in israelisches Territorium einzudringen. Das wird in Israel als Lebensgefahr gesehen.  Ulrich Sahm, Israel-Korrespondent

Das israelische Militär hatte im Vorfeld der Proteste die Truppenpräsenz verstärkt, unter anderem mit Scharfschützen. Doch bereits am Vormittag zündeten palästinensische Demonstranten in unmittelbarer Nähe des Zauns Reifen an. Außerdem näherten sie sich den israelischen Stellungen mit Steinen, Brandbomben und explosiven Gegenständen.

Jerusalem – Epizentrum des Nahostkonflikts

Schon jahrzentelang gibt es die Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensergebieten. Seit der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren schwelt der Konflikt um Land und staatliche Anerkennung. Jerusalem steht dabei im Mittelpunkt. Denn auch die Palästinenser sehen in der für Muslime, Juden und Christen heiligen Stadt ihr politisches Zentrum. 1980 annektierte Israel offiziell das östliche Jerusalem, doch die internationale Staatengemeinschaft akzeptierte das nicht.

Mit der Eröffnung der neuen US-Botschaft ändert sich der internationale Status der Stadt nun zumindest für die US-Amerikaner und Israelis. Deren Regierungschef Benjamin Netanjahu ist von der Entscheidung begeistert.

Das Auswärtige Amt rät derweil bis einschließlich Dienstag von Besuchen der Altstadt ab  aus Sorge vor weiteren Ausschreitungen.

Welche Strategie verfolgt die US-Regierung mit dem Botschaftsumzug? Und welche Folgen könnte das für die Situation im Nahen Osten haben? Darüber spricht detektor.fm-Moderatorin Eva Morlang mit dem langjährigen Israelkorrespondenten Ulrich Sahm.

Ulrich SahmHier steht die halbe Armee auf den Straßen, man kommt kaum durch. Über mir fliegen lauter Helikopter hin und her.Ulrich Sahmlangjähriger Nahost-Korrespondent 

Redaktion: Paul Hildebrand