Brexit-Countdown | Schottische Unabhängigkeit

"Die Drohung aus Schottland ernst nehmen"

08.06.2016

Noch 15 Tage – dann entscheiden die Briten in einem Referendum über einen möglichen Austritt aus der EU. Bis dahin betrachten wir in unserer Serie "Brexit-Countdown" die Themen rund um den Brexit. In der ersten Folge richten wir den Blick nach Schottland. Anders als bei den Engländern ist die Entscheidung dort scheinbar längst gefallen.

Der Brexit-Countdown

Am 23. Juni können die Briten entscheiden: Wollen sie in der Europäischen Union bleiben oder aus der EU austreten? Der Ausstieg wäre ein Novum in der Geschichte Europas. Denn dann würde zum ersten Mal ein Land die EU verlassen. Die Möglichkeit dafür gab es rechtlich bis 2009 nicht einmal.

Die Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der Union sind schwer abzusehen. Befürworter in England erhoffen sich weniger Migration in ihr Land, Gegner haben Angst, ihre Arbeitsplätze im europäischen Ausland zu gefährden. Die Politiker in Brüssel fürchten einen Domino-Effekt und sehen die ganze Europäische Einigung in Gefahr.

detektor.fm schaut in der neuen Serie Brexit-Countdown zusammen mit dem Journalisten Udo Seiwert-Fauti voraus auf die möglichen Folgen eines Brexit.

„Schottland war schon immer europäisch“

Im gesamten Vereinten Königreich ist auch zwei Wochen vor dem Referendum nicht klar, wie sich die Bürger entscheiden werden. Aktuell würden 51 Prozent der Briten für einen Verbleib stimmen. In Schottland würden hingegen fast 70 Prozent derjenigen, die sich bereits entschieden haben, für ein sogenanntes „Bremain“ stimmen.

Die Schotten haben immer für Europa gestimmt. Sie waren immer dafür, in dieser Europäischen Union zu bleiben. – Udo Seiwert-Fauti

Traditionell ist die Beziehung der Schotten zur EU stärker. Für den Fall eines Brexits hat die schottische Regierungschefin bereits ein neues Unabhängigkeitsreferendum angekündigt. Wenn Schottland gegen seinen Willen zum Austritt gezwungen werde, würde man versuchen, aus dem Vereinten Königreich auszutreten und als unabhängiger Staat in die EU ein.

In Europa bleiben zur Not ohne England

Schon 2014 gab es in Schottland ein Unabhängigkeits-Referendum. Die Befürworter warben für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Schottland, um nicht mehr unter englischer Vorherrschaft stehen zu müssen. Die Separatisten scheiterten knapp. Am Ende stimmten 55 Prozent für den Verbleib im United Kingdom.

Dass viele Schotten gegen einen Austritt gestimmt haben, lag wohl auch an der Angst, den eigenen Platz in der Europäischen Union zu verlieren. Denn die EU wollte einem unabhängigen Schottland die Aufnahme verweigern. Man wollte nicht andere separatistische Bewegungen bestärken etwa die Katalonen in Spanien.

Das schottische Herz schlägt für Europa. Falls die Entscheidung für einen Brexit fällt, drohen die Schotten sogar damit, sich aus dem Vereinten Königreich zu verabschieden. In unserer Serie Brexit-Countdown hat detektor.fm-Moderatorin Jennfier Stange mit dem Journalisten Udo Seiwert-Fauti über die schottische Sicht auf den Brexit gesprochen.

Ist heute in Paris bei der Vorstellung gewesen.Die Engländer sollten die Drohung mit einem neuen Unabhängigkeitsreferendum aus Schottland ernst nehmen, denn das könnte wirklich eine Explosion werden. Udo Seiwert-Fautifindet, dass Schottland heute außerhalb der Europäischen Union nicht vorstellbar ist.