Übern Teich | Wie man in den USA auf den Brexit reagiert

Von alten und neuen Freundschaften

27.06.2016

US-Präsident Barack Obama hatte sich vorab klar ausgedrückt: Der Brexit schade Europa und somit auch dem Bündnis mit den USA. Genutzt hat's nix. Nach der Abstimmung der Briten gibt er sich nun versöhnlich. Bleiben die USA und Großbritannien also Verbündete? Ein Blick in eine ungewisse Zukunft.

Ende einer langen Beziehung?

Bislang hat das Bündnis zwischen den USA und Großbritannien als unzerrüttbar gegolten. Für die Vereinigten Staaten ist die Insel ein Tor zu Europa gewesen. Diese vormals enge Bindung hat sich aber bereits vor der angekündigten Abstimmung über den Brexit gelockert.

Das britische Parlament ist unter anderem nicht unverzüglich bereit gewesen, den USA bei Luftschlägen in Syrien gegen den „Islamischen Staat“ beizustehen. Im Gegenzug hat Präsident Barack Obama sich öffentlich für den Verbleib der Briten in der EU ausgesprochen und deutlich gemacht, dass diese Entscheidungen auch Auswirkungen auf die Partnerschaft der Länder haben wird.

Brexit bestätigt Vorurteile

Obama zeigt sich nach dem Entscheid versöhnlich. Er respektiere die Entscheidung der Briten, so der US-Präsident, dem viel mehr auch nicht übrigbleibt. Viele Amerikaner hingegen fühlen sich unterdessen in ihrem Vorurteil bestätigt: Europa sehen sie als ein instabiles Konstrukt.

Auch Donald Trump nutzt die Situation für seinen Wahlkampf. Er befürwortet den Austritt und glaubt, dass sich ein Trend abzeichne. Vor allem das Misstrauen gegenüber den Eliten und die Angst vor Einwanderung seien Punkte, die auch in den USA eine Rolle spielen. Er hofft auf Aufwind bei den Wahlen im November.

Aber ob jetzt im konservativen Spektrum der USA insgesamt ein Brexit herbeigesehnt wurde, das halte ich für überzogen. – Alexander Görlach, Politikwissenschaftler und Theologe

Der momentane Trend ist auch ein anderer: Trumps Umfragewerte sinken auf 38 Prozent.  Etwas Mitschuld daran hat eventuell auch seine letzte Twitter-Blamage. Er schrieb bei seinem Besuch in Schottland: „Ich bin gerade in Schottland angekommen. Alle drehen gerade durch wegen der Abstimmung. Sie haben ihr Land zurückgeholt, so wie wir uns Amerika zurückholen werden. Keine Spiele!“

Eine Antwort folgte prompt von Sängerin Lily Allen: „Schottland hat gegen den Brexit gestimmt, du Vollidiot!“

Engeres Bündnis mit Deutschland?

Währendessen wird schon über eine engere Beziehung zwischen den USA und Deutschland spekuliert. Sollten die Briten Europa verlassen, wäre Deutschland ein stabilerer neuer Zugang zur EU. Auch beim Atomabkommen, einer der größten Errungenschaften der Obama-Regierung, war Deutschland eine große Hilfe.

Über die Reaktionen in den USA auf den Brexit hat detektor.fm-Moderatorin Astrid Wulf mit dem Theologen und Politikwissenschaftler Alexander Görlach gesprochen.

. forscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke.Klar, wird es irgendwann wieder ein Abkommen mit Großbritannien geben, aber man versucht ja gerade etwas Größeres mit Europa, Stichwort TTIP, und die Briten müssen sich da eben am Ende der Schlange anstellen.Alexander Görlach... forscht als Gastwissenschaftler in Harvard zum Themenfeld "Politik & Religion". Er promovierte in katholischer Theologie, war stellv. Pressesprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Ressortleiter beim Cicero, gründete 2009 "The European" und ist u.a. Mitglied in der Atlantik-Brücke. 

Redaktion: Carina Fron


„Über’n Teich” – detektor.fm spricht über Amerika. Jeden Montag – auch im Podcast.

Welche Debatten bewegen die USA? Wer wirbelt den Wahlkampf auf? Und wo ticken „die Amis“ einfach anders als wir? Darüber sprechen wir jeden Montag – mit Alexander Görlach.