Britische Labour-Partei mit neuem Vorsitz

Jeremy Corbyn: Held oder Anti-Held?

15.09.2015

Der neue Chef der Labour-Partei polarisiert bereits kurz nach seiner Wahl. Die einen feiern Jeremy Corbyn, er würde endlich eine richtige Alternative bieten. Die anderen sehen in ihm eine Gefahr, er sei zu linksradikal.

Im Mai 2015 hat der Wahlsieg des Konservativen David Cameron viele überrascht. Denn die Umfragen hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden großen Parteien, der konservativen Partei und der sozialdemokratischen Labour-Partei, erwartet. Die unerwartete Niederlage hat die britischen Sozialdemokraten unter der damaligen Führung von Ed Miliband etwas ratlos zurückgelassen. Die Parteimitglieder haben seitdem über eine Neuausrichtung gestritten.

Labour nach der Wahlschlappe

Dabei hat sich der vielen als linksradikal verschrieene Jeremy Corbyn durchgesetzt. Vom aktuellen Premierminister wird er als „threat to national security“ bezeichnet, da er in seinem Programm unter anderem für einen NATO-Austritt Großbritanniens plädiert. Auch die deutsche Schwesterpartei SPD hat sich mit Glückwünschen bisher zurückgehalten. Denn der radikale Kurs passt nicht zum Führungsstil der deutschen Sozialdemokraten, sagen Beobachter.

Erste Hürden innerhalb der eigenen Fraktion

Mit der Benennung eines Schattenkabinetts treten bei Jeremy Corbyn erste Probleme auf. Vor allem die Wahl eines Hardliners als Schatten-Schatzkanzler und potentiellen Finanzminister sorgt für Unmut. Auch wenn ein möglicher Wahlerfolg bei der nächsten Unterhauswahl momentan als eher unwahrscheinlich gilt, ist Corbyn ein weiterer Kopf der neuen Linken in Europa. Er hat den Erfolg vor allem den jungen Leuten zu verdanken.

Über die Wahl hat detektor.fm-Moderatorin Jennifer Stange mit dem freien Journalisten Jürgen Krönig gesprochen.

ist Journalist und England-Korrespondent u.a. für die Wochenzeitung «Die Zeit».Wenn die Linken ihre Wahl verloren haben, dann gibt es eine Reaktion, die sagt, jetzt erst Recht.Jürgen Krönigist freier Journalist und lebt seit mehreren Jahren in London.  

Redaktion: Natalie Schorr