Sport | Grundlage diplomatischer Bemühungen

Sport als Friedensstifter?

06.10.2014

Bei den Asien Games nähern sich Nord- und Südkorea an. Sport als Instrument zur Förderung von Frieden, Toleranz und Verständigung? Beispiele dafür finden sich zahlreich – sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Über die diplomatische Bedeutung des Sports sprechen wir mit Sporthistoriker Angsgar Molzberger.

Der Sport und seine vielen Gesichter

Sportlicher Erfolg kann den Ruf eines ganzen Landes aufpolieren. Errungenschaften im internationalen Sport können ein kleiner Trost sein, wenn es in einem Land wirtschaftlich gerade nicht läuft oder eine politische Krise droht. Doch Sportveranstaltungen können noch eine viel tiefgreifendere Bedeutung für Nationen haben. Denn insbesondere Großveranstaltungen wie Olympische Spiele und Fußballweltmeisterschaften bieten eine willkommenen Vorwand, um hinter den Kulissen auch diplomatisch tätig zu werden.

Sport-Diplomatie in Deutschland: Gemeinsame Olympiamannschaften zwischen 1956 und 1964

Ein historisches Beispiel dafür liefert Deutschland. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erkannte 1951 von den beiden nationalen olympischen Komitees (NOK) in Ost- und Westdeutschland nur das westdeutsche an. Dem westdeutschen NOK wurde ein Alleinvertretungsanspruch zuerkannt – das ostdeutsche sollte nicht gleichberechtigt an einer Mannschaftsbildung teilhaben. Daraufhin kündigte die DDR im selben Jahr die Vereinbarung über eine gemeinsame Mannschaft auf; zu den Olympischen Spielen im Jahr 1952 fuhren infolgedessen nur westdeutsche Sportler.

Vier Jahre später hatte das IOC entschlossen, die DDR aufzunehmen. Aufgrund dieser Entscheidung trat zu den Olympischen Spielen 1956 eine gesamtdeutsche Mannschaft  an. Dem west- und dem ostdeutschen NOK wurde zwei Jahren nach den Spielen die Alberto-Bonacossa-Trophäe vom IOC verliehen. Der Preis zeichnete NOKs aus, die sich um die olympische Bewegung verdient gemacht und die olympischen Ideale über den Sport hinaus verbreitet haben. Ost- und Westdeutschland stellten noch bis zu den Spielen im Jahr 1964 eine gemeinsame Mannschaft. Vier Jahre später ließ das IOC schließlich zwei deutsche Mannschaften zu – je eine aus der DDR und der BRD.

Annäherung von Nord- und Südkorea bei Asienspielen

Ein aktuelles Beispiel von Sport-Diplomatie ließ sich nun bei den Asian Games in Incheon, einer südkoreanischen Stadt, beobachten. In Schatten der 17. Asienspiele trafen sich Vertreter aus Nord- und Südkorea zu Friedens- und Abrüstungsgesprächen. Und das offenbar mit Erfol: nach 60 Jahren im Kriegszustand könnte sich die Beziehung zwischen den beiden Ländern langsam normalisieren.

Über die Frage, welche Bedeutung der Sport für diplomatische Bemühungen hat, sprechen wir mit dem Sporthistoriker Dr. Ansgar Molzberger von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

MolzbergerDer Sport hat einen großen politischen Einfluss. Er wird von Staaten genutzt, benutzt – im positiven wie im negativen Sinne.Dr. Ansgar Molzbergerist Sporthistoriker an der Deutschen Sporthochschule in Köln.