CSU will Rundfunk-Fusion, Beckenbauer hat „ehrenamtlich“ Millionen verdient

Money For Nothing?

14.09.2016

CSU-Chef Seehofer hat Visionen für die Zukunft von ARD und ZDF. Die Anstalten sollen zusammengelegt werden. Will sich die CSU damit Rundfunk-Kritikern vom rechten Rand anbiedern - oder steckt mehr dahinter? Und wie kann ein Franz Beckenbauer in einem Ehrenamt 5,5 Millionen Euro verdienen? Eine Gespräch mit Jürn Kruse von der taz.

Über die Debatten der Woche sprechen wir jeden Mittwoch mit den Kollegen der taz. Immer gegen 08:15 Uhr in unserer Sendung "detektor.fm Am Vormittag".

Seehofer will ARD und ZDF zusammenlegen

In einem Interview mit einer großen deutschen Boulevardzeitung hat CSU-Chef Horst Seehofer sich dafür ausgesprochen, die Anstalten der ARD und ZDF zusammenzulegen. Seehofer wird mit den Worten zitiert, dass eine Fernsehanstalt reiche, um die „Grundversorgung“ abzudecken. Grundsätzlich versteht man unter der sogenannten Grundversorgung „die essentiellen Funktionen des Rundfunks für die demokratische Ordnung“. Das heißt: die Bildung, Information und Unterhaltung der Bürger.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich häufiger für seine Kostenpolitik rechtfertigen. Dass die Anstalten einsparen können, ist dabei länst nicht die alleinige Meinung Seehofers. Zum gleichen Schluss ist schon der 20. Bericht der KEF gekommen, der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten. Dort ist von einem „Einsparpotenzial“ von fast 100 Millionen Euro die Rede – allerdings nicht von einer Zusammenlegung von Anstalten.

(Kosten)Berechnender Populismus?

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Frank Überall, sieht für diese Forderung „keine realistische Umsetzung“ – und wittert Populismus von Seehofer und der CSU.

„Da ließen erste Witzchen nicht lange auf sich warten, dass Seehofer doch zuerst seine CSU mit der CDU fusionieren soll, wenn er Doppelstrukturen beseitigen will.“ – Jürn Kruse, taz

Beckenbauers wundersame WM-Einkünfte

Mit Zahlenspielen muss sich wohl auch Franz Beckenbauer beschäftigen, zusammen mit Steuerbehörden und dem DFB. Beckenbauer soll als Chef des Organisationskommitees der WM 2006 bekanntlich „ehrenamtlich“ gearbeitet haben – so lautete bislang die offizielle Version der DFB. Ganz richtig ist diese Version allerdings nicht.

Denn Recherchen des Spiegels zeigen: Ein Honorar in Höhe von fast 5,5 Millionen Euro hat er trotzdem bekommen. Es handle sich um Geld, das aus DFB-Töpfen kam, auch vier Jahre nach Erhalt nicht versteuert wurde und an Beckenbauer geflossen sei, weil er einen Werbevertrag mit dem Sportwettenanbieter Oddset gehabt habe. Oddset war einer der Hauptförderer der WM 2006.

Jürn Kruse tazBeckenbauer hat mal, kurz vor der WM 2006, gegenüber dem Tagesspiegel gesagt: 'Wenn man merkt, dass jeder die Hand aufhält, dann macht mich das traurig.' Mittlerweile kann man nichts anders mehr sagen, als dass Beckenbauer scheinheilig ist.Jürn Kruseist Redakteur bei der taz. 

Beckenbauers „ehrenamtliche“ WM-Millionen und Seehofers Pläne für eine „neue“ Rundfunkanstalt: Über die Debatten der Wochen haben wir mit taz-Redakteur Jürn Kruse gesprochen.