detectiv | Brandschutz in Atomkraftwerken

"Brandgefährlich"

13.09.2018

Wie gut funktioniert der Brandschutz in Atomkraftwerken? Correctiv deckt in einer umfangreichen Recherche mögliche Sicherheitslücken auf.

Veralteter Brandschutz in Atomkraftwerken

Was würde eigentlich passieren, wenn es in einem Atomkraftwerk brennt? In der Theorie setzt dann ein Sicherungsmechanismus ein: Damit sich das Feuer nicht ausbreiten kann, wird es isoliert. Das wird mithilfe von Brandschutzklappen gewährleistet, die in einem solchen Fall automatisch schließen. Zusätzlich arbeiten die meisten Kraftwerke nach dem so genannten Redundanzprinzip. Fällt beispielsweise eine Pumpe aus, können drei andere Pumpen diesen Ausfall ausgleichen.

Nach einer gemeinsamen Recherche von Correctiv, RTL Nachtjournal und Mediapart greift dieses Redundanzprinzip allerdings nicht bei den Brandschutzklappen. Hier gebe es in den meisten Fällen nur eine. Außerdem sei diese Technik in vielen AKWs veraltet.

In diesen Lüftungsschächten wird dieses Redundanzprinzip eben nicht angewendet. Wenn also eine Klappe nicht zugeht, dann geht sie eben nicht zu und der Rauch zieht durch. Das kann laut Experten auch das Redundanzprinzip in anderen Bereichen außer Kraft setzten. – Frederik Richter von correctiv.org

Länderübergreifende Verantwortung

Das Team hat sich den Brandschutz in Atomkraftwerken in Frankreich, Deutschland und der Schweiz angeschaut. Die Recherche zeigt, dass die Betreiber der Atomkraftwerke großes Mitspracherecht haben, wenn es darum geht, bestimmte Grenzwerte festzulegen. Diese legen fest, wann einzelne Bauteile, wie zum Beispiel die Brandschutzklappen, nicht mehr brauchbar sind und ausgetauscht werden sollten.

Das Bundesumweltministerium weist Sicherheitslücken in Deutschland zurück. Für Frederik Richter steht aber fest, dass die Sicherheit der Atomkraftwerke keine nationale Frage ist.

Es ist eine europäische Frage. Angenommen, es kommt in Frankreich zu einem sehr sehr schweren Atomunfall, dann wäre ganz Europa betroffen. – Frederik Richter von correctiv.org

Über die Recherche zu Sicherheitslücken beim Brandschutz in europäischen Atomkraftwerken hat detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop mit Frederik Richter von correctiv.org gesprochen.

arbeitet für das Recherchezentrum CorrectivMan muss im Hinterkopf behalten, dass, wenn so ein Atomkraftwerk einmal abgeschaltet ist, die Brennstäbe noch etwa vier Jahre drinnen bleiben und bis so ein Atomkraftwerk zurück gebaut wird, dauert es 10-15 Jahre.Frederik Richterspricht mit detektor.fm über die correctiv-Recherche zu Sicherheitslücken bei Atomkraftwerken. 

Redaktion: Nora Auerbach


Der Detectiv. Jede Woche. Eine Recherche.
Im Gespräch mit

Correctiv_Logo

Correctiv recherchiert gemeinnützig. Seit 2014.

Den Detectiv gibt es auch als Podcast.