detectiv – die Recherche-Serie | Der Kreditbetrüger und der FIFA-Vizepräsident

Krumme Machenschaften in der FIFA-Spitze?

29.09.2016

Ein Scheich, der gleichzeitig Funktionär im Spitzenfußball ist. Ein indischer Finanzbetrüger. Und eine dubiose Verbindung zwischen beiden. Klingt wie der Stoff für einen Krimi. Ist aber nicht erfunden. Das gemeinnützige Recherchebüro „correctiv.org“ hat herausgefunden: FIFA-Vizepräsident Scheich Salman sorgt für große Fragezeichen.

2011 ist es in Bahrain bei wochenlangen Demonstrationen zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen. Tausende Menschen und sogar Fußballnationalspieler nahmen an den Protesten gegen die politische Führung und Scheich Salman teil. Die Demonstrierenden wurden daraufhin festgenommen und im Gefängnis gefoltert. Anhänger der Demokratiebewegung wurden im staatlichen Fernsehen öffentlich attackiert. Mehr als 20 Menschen kamen ums Leben und 400 weitere wurden auch noch Monate später vermisst.

Umstrittener Monarch

Scheich Salman Bin Ibrahim al-Khalifa, Mitglied des Königshauses, soll als Chef des nationalen Fußball-Verbandes oppositionelle Sportler denunziert haben. Er selbst streitet alle Vorwürfe ab, obwohl es konkrete Hinweise gibt. Doch was hat ein Scheich schon zu befürchten? Zudem macht er Karriere: Er ist nicht nur Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, sondern auch FIFA-Vize.

Der Betrüger und der Scheich

2012 hat sich Scheich Salman Bin Ibrahim al-Khalifa in aller Öffentlichkeit für einen Kreditbetrüger eingesetzt und ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt. Dabei war zu dieser Zeit bereits bekannt, dass eben jener einen sogenannten Vorausgebühr-Betrug betrieben hat. Das bedeutet, dass er Unternehmen einen Kredit gegen eine Vorausgebühr versprochen, die Gebühr behalten und den Kredit niemals ausgezahlt hat.

Dieser Betrug funktioniert nur, wenn der Betrüger viele Opfer findet und es hängt stark davon ab, dass es in diesem Zeitraum keine negativen Presseberichterstattung über ihn gibt. Der Scheich hat sich also öffentlich für ihn ausgesprochen und hat deutlich gemacht, dass er bei der Königsfamilie hoch angesehen wird. – Frederik Richter, correctiv.org

Wie kommt man aber nun an diese Informationen und wie kommen die wiederum an die Öffentlichkeit, wenn es keinen Leak gibt? Die Antwort lautet: langwierige und aufwendige Recherche. Darauf hat sich das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv.org spezialisiert. detektor.fm-Moderator Christian Eichler hat sich mit dem CORRECT!V-Mitarbeiter Frederik Richter über die Motive des Scheichs Salman Bin Ibrahim al-Khalifa und des indischen Kreditbetrügers unterhalten.

arbeitet für das Recherchezentrum CorrectivMan muss wissen, dass der Fußball in Bahrain wie viele Bereiche in Wirtschaft und Politik von der Königsfamilie beherrscht werden. Der Kreditbetrüger hat ihre Projekte gesponsert. Im Gegenzug hat der Scheich sich für ihn öffentlich ausgesprochen.Frederik Richter arbeitet für das Recherchezentrum Correctiv. 

Redaktion: Linh Pham


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