DFL gewinnt im Kostenstreit mit Bremen

Bremen hat verloren

19.05.2017

Die Stadt Bremen hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf mehr als 400.000 Euro verklagt. In dem Streit ging es um die Kosten für den Polizeieinsatz bei einem Bundesliga-Spiel. Das Urteil ist jetzt gefallen: Bremen verliert den Streit. Zu Recht?

300.000 Euro für 90 Minuten

Bundesligaspiele sind immer wieder ein Sorgenkind für die Polizei. Auch bei dem Derby Werder Bremen gegen den Hamburger SV im April 2015 war ein erhöhter Polizeieinsatz nötig. Laut Polizei entstanden dadurch Kosten von 425.718 Euro, die das Land Bremen von der Deutschen Fußball Liga (DFL) zurückhaben wollte.

Die durchschnittlichen Einsatzkosten der Polizei pro Bundesligaspiel betragen 300.000 Euro. In der Saison 2013/14 entstanden so Gesamtkosten von rund 70 Millionen Euro. Weil sich die DFL weigerte zu zahlen, ging das Land Bremen vor Gericht – und verlor. Das Verwaltungsgericht der Hansestadt Bremen erklärte die Gebührenbescheide des Bundeslandes Bremen für rechtswidrig.

Es sollten Kosten für Polizeieinsätze erstattet werden und das Verwaltungsgericht hat gemeint, die Zusammenstellung der Kosten war nicht hinreichend dargelegt. – Jan Orth, Sportjurist und Richter beim Köllner Landgericht

Das war erst der Anpfiff

Die gerichtliche Niederlage bezieht sich aber nur auf diesen einen speziellen Fall. Bremen hat nur auf Grund von Formfehlern verloren. Aufgeben wird das Bundesland deshalb aber nicht. Es gab zwar keinen Erfolg in der ersten Instanz, im Zweifel wird das Land Bremen sich jedoch durch alle Instanzen klagen. Ob es Recht bekommt, bleibt abzuwarten.

Dieser Kostenstreit eröffnet aber das Feld für ein grundsätzliches Problem: Soll sich die Bundesliga an den Kosten für Polizeieinsätze bei „Risikospielen“ beteiligen müssen? Diese Frage ist sehr umstritten. Für beide Seiten gibt es gerechtfertigte und nachvollziehbare Argumente.

Zum Einen ist es ungerecht, wenn Steuerzahler dafür aufkommen müssen, dass einige Menschen Bundesligaspiele als Anlass sehen, öffentlich zu randalieren. Das wiederum führt zu einem erhöhten Polizeibedarf. Auf der anderen Seite kommt auch sonst das Land für Kosten auf, die für Polizeieinsätze bei jeglichen Sportevents entstehen.

Es bleiben noch viele Fragen offen. Ein paar davon hat Jan Orth detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer im Interview beantwortet. Er ist Sportjurist und seit 2003 Richter am Kölner Landgericht.

Jan OrthEs gibt auch andere Rechtsfragen, die offen sind: Ist die DFL überhaupt der Veranstalter oder ist das der Heimverein, in dem Fall der SV Werder Bremen?Jan Orthist Sportjurist und Richter am Kölner Landgericht 

 

Redaktion: Laura Pientka