Bedeuten Einlasskontrollen am Flughafen mehr Sicherheit?

"Ein Anschlag wird nicht am Tatort verhindert"

31.03.2016

Mehr Kontrolle gleich mehr Sicherheit? So scheint zumindest die Strategie zu lauten, wenn es um den Schutz von Flughäfen geht. Erst die Schuhe ausziehen, dann die Flüssigkeiten abgeben und vielleicht bald auch noch Einlasskontrollen. Doch werden durch solche Maßnahmen wirklich Terroranschläge verhindert?

Zwischen Sicherheit und Effizienz

Indische Flughäfen dürfen nur mit gültigem Ticket betreten werden und in Israel wird man schon auf der Fahrt zum Flughafen kontrolliert. Auch uns in Deutschland könnten solche Einlasskontrollen bald erwarten. Allerdings verlagern sie das Problem nur, wie Volker Zintel, ehemaliger Sicherheitschef des Frankfurter Flughafens,  findet. Dank solcher Kontrollen würden sich Menschenmassen vor den Flughäfen bilden, die dann nicht mehr im, sondern vor dem Terminal von Anschlägen gefährdet wären.

Das ist ein Schnellschuss. Das geht so nicht, zumindest in allen europäischen Flughäfen, weil der Platz dazu fehlt. – Volker Zintel

Fazit: Für Einlasskontrollen müsste die komplette Infrastruktur umgebaut werden und das ist teuer. Doch wie effektiv wirken Einlasskontrollen in anderen Ländern bisher?

Einlasskontrollen in Israel: Schau mir in die Augen

Ein Vorbild für effiziente und zuverlässige Sicherheitskontrollen sind die Israelis. Die größte israelische Fluggesellschaft El Al hat schon vor dem 11. September Sicherheitstüren für Cockpits eingebaut, für die man damals sogar noch eine Sondergenehmigung des Internationalen Luftfahrtverbandes brauchte. Heute zählen sie zum Standard.

Am Boden setzt man in Isreal dagegen auf Waffenpräsenz, Menschenkenntnis und knallhartes Racial Profiling. Und das mit erstaunlich geringen Wartezeiten, da viele dieser Befragungen von Zivilbeamten im ganzen Flughafen stattfinden.

Terroristen schon vorher stopppen

Die Fokussierung auf Flughäfen verschleiert jedoch das größere Problem: Einem Terroristen ist es in den meisten Fällen egal, ob er sich in einem Flughafen, am Bahnhof oder in einem Café in die Luft sprengt. Doch Sicherheitskontrollen ähnlich denen auf Flughäfen gibt es in großen öffentlichen Gebäuden wie Bahnhöfen oder zentralen Haltestellen für Fernbusse bisher kaum. So ist es bisher theoretisch möglich, dass Terroristen ohne Kontrolle Ländergrenzen überqueren – ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko.

Über die Sicherheit an Flughäfen und welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche nicht, hat detektor.fm-Moderatorin Anna Corves mit Volker Zintel gesprochen. Er ist der ehemalige Sicherheitschef des Frankfurter Flughafens.

117952.volker_zintel[1]Bei cleveren Tätern ist ein Anschlag nicht am Tatort zu verhindern, sondern nur, wenn es den Sicherheitsbehörden durch intensive Ermittlungen gelingt, irgendwelche Erkenntnisse zu Tätern und Gruppierungen zu erkennen und dadurch Aktionen abzuleiten.Volker Zintelist ehemaliger Sicherheitschef des Frankfurter Flughafens. 

Redaktion: Christopher van der Meyden