Erdbeben in Japan – Atomkraftwerk vor dem GAU?

11.03.2011

Nach dem schweren Beben, dem folgenden Tsunami und tausenden Opfern wächst eine neue Sorge: die eines Atomunfalls. Eine Explosion ereignete sich bereits, Kernschmelzen scheinen bevorzustehen.

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Die Ausbreitung des Tsunamis, der durch das Beben ausgelöst wurde. © http://wcatwc.arh.noaa.gov

Japan wurde von einem Erdbeben der Stärke 8,9 erschüttert. Das Epizentrum des Bebens lag ca. 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. In Folge des Bebens wurden mehrere Staaten am Pazifik von einem Tsunami getroffen – und die Atomkraftwerke beschädigt. Ein aktueller Informationsüberblick hier:

Update – der neueste Stand

Mo., 04:00 Uhr: Eine weitere Reaktion hat sich ereignet, diesmal an Reaktor 3. Die Regierung bestätigte, dass eine Wasserstoffansammlung dort explodiert sei. Dabei sei ein Gebäude eingestürzt, die Reaktorhülle des betroffenen Blocks 3 aber intakt. In der Zwischenzeit gab es infolge eines Nachbebens eine neue Tsunami-Warnung. Die Menschen an der Nordostküste sind aufgerufen, sich an höher gelegene Orte zu begeben.

So., 17:15 Uhr: In einem dritten Atomkraftwerk ist das Kühlsystem ausgefallen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Feuerwehr. Es handelt sich um das Kraftwerk Tokai an der Ostküste Japans.

So., 15:00 Uhr: Greenpeace Deutschland hat der japanischen Regierung vorgeworfen, mit entscheidenden Informationen hinter dem Berg zu halten. Dies sei eine massive Gefährdung der Menschen. „Es ist unverantwortlich, wie die japanische Regierung und die Betreibergesellschaft dort ihre Informationspolitik betreiben“, sagte Greenpeace-Energie-Experte Christoph von Lieven der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe „keine Berichte der Regierung und der Betreibergesellschaft, denen man trauen kann“, denn die Atomkraftwerke seien abgesperrt und es existierten keine unabhängigen Messungen der ausgetretenen Radioaktivität vor Ort. Nach Einschätzung des Darmstädter Öko-Institus spreche aktuell alles für eine teilweise Kernschmelze.

So., 14:00 Uhr: Der Wind weht aktuell auf das Meer und treibt evtl. kontaminierte Luft vom Festland weg. Ein japanischer Regierungssprecher hat unterdessen seine Aussagen über eine Kernschmelze in Fukushima 1 zurückgenommen. Es habe im Reaktor 3 am Sonntag keine Kernschmelze stattgefunden. Die gemessenen erhöhten radioaktive Werte überschritten zwar die zugelassenen Werte, es bestünde jedoch keine Gefahr für die Bevölkerung.

So. 10:15 Uhr: Aus der Region um die Atomanlagen Fukushima 1 und 2 sind bisher mehr als 200.000 Menschen evakuiert worden. Die Evakuierung läuft weiter. Alle Menschen werden auf Radioaktivität untersucht.

So. 08:20 Uhr: In der Katastrophenregion Miyagi hat es möglicherweise 10 000 Tote gegeben, So der japanische Fernsehsender NHK unter Berufung auf die örtliche Polizei. An den Küsten der Provinzen Miyagi und Iwate sind nach dem schweren Erdbeben und dem anschließenden Tsunami mehr als 600 Leichen gefunden worden. Insgesamt rechnen die Behörden hier mit als 2000 Toten aus. Es wird erwartet, dass die Zahl der Todesopfer noch weiter steigt, da zu Zehntausenden von Menschen bisher noch keinen Kontakt bestünde.

So. 07:45 Uhr: Die Regierung spricht von mindestens einer Kernschmelze. Die Brennstabe im Reaktor Nr. 3 in Fukushima Daiichi seien teilweise verformt. Eine Explosion am Reaktor könne nicht ausgeschlossen werden. Diese würde sich jedoch nicht auf den Reaktordruckbehälter auswirken. Noch am Samstagmittag war dies kein Thema für die japanische Regierung. Heute, am Sonntag, hält man eine zweite Kernschmelze in Reaktor 3 für möglich.

So. 07:30 Uhr: In der Provinz Miyagi im Nordosten Japans wurde eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal gemessen, so die Agentur Kyodo News. Das dortoge Atomkraftwerk Onagawa sei aber stabil, hieß es. Man gehe davon aus, dass die radioaktiven Partikel nicht von dem Reaktor dort stammen, sondern dass der Wind Radioaktivität aus der Provinz Fukushima herübergeweht habe.

So., 05:00 Uhr: Das Beben in Japan hatte nach offiziellen Angaben eine Stärke von 9,0 auf der Richterskala. Dies erklärte die Meteorologische Behörde in Japan. Zuvor das das Beben mit 8,8 bzw. durch amerikanische Wissenschaftler mit 8,9 beziffert worden. Es ist damit das fünftstärkste je gemessene Beben. Die japanischen Atomkraftwerke gelten als besonders erdbebensicher – die meisten von ihnen sind für Beben mit hoher Stärke ausgelegt, das betroffene Kraftwerk ungefähr bis einem Wert von 8,5 auf der Richterskala. Die Richterskala ist keine linear ansteigende Skala sondern logarithmisch zur Basis 10: Die jeweils nächste höhere Stufe entspricht einer 10-mal größeren Erdbebenstärke

So., 04:30 Uhr: Der Betreiber Tepco meldet, dass der Versuch, das ausgefallene Kühlsystem in Reaktor 3 durch Einspritzung mit Meerwasser auszugleichen, fehlgeschlagen sei. Zur Senkung des Drucks wird weiter Dampf abgelassen.

So., 02:50 Uhr: Mindestens 19 Menschen aus der Nähe des Reaktors sind bisher mit radioaktiver Belastung ins Krankenhaus eingeliefert. Am Vortag lag diese Zahl noch bei 3. Die Radioaktivität auf dem Gelände von Fukushima 1 übersteige die zugelassene Höchstmenge, meldet Kyodo-News. Betreiber Tepco kommentiert, dies stelle keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung dar.

So., 02.10 Uhr: Der Betreiber Tepca lässt radioaktiven Dampf aus dem Block 3 von Fukushima 1 ab, um den Druck zu senken. Es ist bereits der sechste Reaktor mit Notkühl-Problemen in Fukushima.

So., 01:30 Uhr: Ein weiterer Reaktor in Fukushima hat die Kühlung verloren. Experten sind dabei, aus diesem Reaktor radioaktiven Dampf nach außen abzulassen. Das wurde bereits beim ersten Reaktor versucht, um eine Explosion infolge ansteigenden Drucks zu verhindern.

Samstag

Sa., 15:45 Uhr: Rund um das Kraftwerk seien drei Menschen verstrahlt worden. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.. Es handle sich hierbei um Anwohner aus der evakuierten Zone im Umkreis des Kraftwerks.

Sa., 13:30 Uhr: Der Betreiber des Kraftwerks hat erklärt, es gebe keinen Schaden am Reaktorgehäuse. Die Explosion werde zu keinem großen radioaktiven Leck führen, so ein Regierungssprecher. Die Evakuierung sei als reine Vorsichtsmaßnahme und nicht als Reaktion auf akute Gefährdung zu verstehen.

Sa., 11:30 Uhr: Das Dach und die Mauern des Reaktorgebäudes sind durch die Explosion beschädigt. Der Radius, in dem die Menschen evakuiert werden, wurde erneut ausgeweitet: nun von zehn auf zwanzig Kilometer. Nach einem Anstieg sie die radioaktive Strahlung nun wieder am Fallen.

Sa., 10:40 Uhr: Meteorologe Karsten Brandt erklärte bei Phoenix, es sei Cäsium in der Luft um das Kraftwerk gemessen worden. So es eine atomar verseuchte Wolke gebe, würde die in Richtung Pazifik abziehen und nicht aufs Festland.

Sa., 10:30 Uhr: Ein japanischer Regierungssprecher bezeichnete die Lage im Atomkraftwerk als eine «vermutlich sehr ernste Situation», so NHK. Der Sprecher rief die Bevölkerung auf, ruhig zu bleiben.

Sa., 09:45 Uhr: Direkt vor der Explosion habe es an dem beschädigten Kraftwerk eine Erschütterung gegeben. Fernsehbilder des Senders NHK zeigen außerdem Zerstörungen am Reaktorgebäude: infolge der Explosion scheinen Teile der Gebäudehülle am Reaktor von Fukushima 1 weggebrochen zu sein. Bei der Explosion seien vier Menschen verletzt worden, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Sa., 09:00 Uhr: In dem beschädigten Kraftwerk in Fukushima hat es offenbar eine Explosion gegeben. Danach sei dort weißer Rauch aufgestiegen. Die Ursache sei noch unbekannt, es scheint mehrere Verletzte zu geben. Zuvor gab es Berichte, wonach der Betreiber die Kontrolle über den Druck in dem Kraftwerk verloren habe. Ursprünglich war geplant, den Druck kontrolliert abzulassen.

Sa, 07:00 Uhr: In dem Kraftwerk Fukushima 1 hat womöglich die Kernschmelze begonnen. In der Nähe sei radioaktives Cäsium festgestellt worden, berichtet die Atomsicherheitskommission. Die Störung am Kühlsystem konnte noch nicht behoben werden.

Samstag, 01:30 Uhr: Auch um den Reaktor 2 in Fukushima wurde Evakuierung angeordnet. Dort ist in drei Reaktoren ebenfalls das Kühlsystem ausgefallen. Auch hier sei der atomare Notstand ausgerufen worden.

Freitag, 24:00 Uhr: Die Radioaktivität im beschädigten Kraftwerk ist stark angestiegen. Im Kontrollraum von Fukushima 1 sei das 1000-Fache des normalen Werts gemessen worden. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass Radioaktivität aus der Anlage ausgetreten ist. Der Evakuierungsbereich rund um die Anlage wurde von drei auf zehn Kilometer ausgeweitet.

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