EU will Geoblocking abschaffen

Ländersperren: Es geht um mehr als Netflix im Urlaub

26.05.2016

Die analogen Schlagbäume an den europäischen Ländergrenzen sind abgeschafft, der europäische Markt ist etabliert. Im Digitalen verhindert das sogenannte Geoblocking, dass Europäer in jedem Land dasselbe Angebot nutzen können. Wie lange noch?

Schweizer Fans von Jan Böhmermann sind aktuell enttäuscht, schuld daran ist das Geoblocking. Denn das Duo Böhmermann-Schulz ist bei „Fest und Flauschig“ auf Spotify nur dann abrufbar, wenn der Nutzer aus Deutschland oder Österreich kommt. Die EU-Kommission will solche digitalen Ländersperren abbauen.

Geoblocking noch zeitgemäß im Digitalzeitalter?

Auch deutsche Netflix-Abonnenten im Auslandsurlaub schauen in die Röhre beziehungsweise eben keine Serien. Denn solche Streaming-Angebote fragen die IP-Adresse eines Computers ab und die verrät eben auch, wo sich der Nutzer befindet. Kommt die IP-Adresse aus dem Ausland, verschwinden die Inhalte hinter der Ländersperre.

Während in Europa die Schlagbäume an den analogen Ländergrenzen abgeschafft sind, sind sie im Internet durch das Geoblocking noch sehr deutlich wahrnehmbar. Auch beim Online-Shopping: Nur ein Drittel der europäischen Kunden könne tatsächlich in einem anderen EU-Land online einkaufen, kritisiert der EU-Binnenmarktkommissar Andrus Ansip.

EU-Komission will digitale Ländersperren abschaffen zumindest teilweise

Ausgerechnet bei den Streaming-Anbietern wird das Geoblocking prinzipiell wohl bestehen bleiben.

Wenn die EU-Kommission Geoblocking komplett abschaffen würde, wäre das zu begrüßen. Aber der Plan der Kommission nimmt genau den Bereich Videos aus. – Julia Reda, Abgeordnete im EU-Parlament (Piratenpartei)

Die EU-Komission will künftig für „Portabilität“ von Angeboten wie Netflix und Amazon Prime sorgen, eine Art Roaming. Das heißt: Ausnahmen von den Ländersperren wird es nur für Urlauber geben, die dann zumindest zeitweise ihr Abo auch im Ausland nutzen können sollen.

Es geht um mehr als Netflix im Urlaub

Die digitalen Grenzen in Europa schränken aber auch ganz reguläre Nutzer im tagtäglichen Leben ein. Migranten können durch die Ländersperren ihre Heimatmedien oft nicht über das Internet abrufen. Auch die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein kann beispielsweise nicht den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus Dänemark streamen, weil der in Deutschland eben hinter der Ländersperre verschwindet.

Warum die aktuellen Bemühungen der Europäischen Union gegen das Geoblocking nicht ausreichen, darüber hat detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg mit Julia Reda gesprochen. Sie ist Abgeordnete im EU-Parlament für die Piratenpartei und hat die Kampagne „End Geoblocking“ gestartet.

Julia RedaIch glaube, es gibt einen internen Machtkampf innerhalb der EU-Kommission. Günther Oettinger hat eher ein offenes Ohr für die Interessen der Filmindustrie und der Sportrechteinhaber. Letztendlich denke ich, dass wir Druck aufbauen müssen. Damit der EU-Kommissar nicht nur auf die Interessen der Industrie hört, sondern auch auf die der Öffentlichkeit.Julia Redaist EU-Abgeordnete der Piratenpartei und setzt sich für die Panoramafreiheit ein. | Foto: Tobias M. EckrichCC BY 2.0