Europas Mitte | Geflüchtete in Polen

Der Kampf mit den Vorurteilen

15.01.2018

In Polen leben nur wenige Geflüchtete aus muslimisch geprägten Ländern. Trotzdem gibt es dort starke Vorurteile gegen sie. Ausgrenzung und Anfeindungen gehören zu ihrem Alltag – dabei könnte es anders sein.

Kein Kontakt, keine Hilfsbereitschaft

Vermutlich haben die meisten Polen in ihrem Leben noch keinen muslimischen Flüchtling getroffen. Das ist kein Wunder, denn nur wenige muslimische Geflüchtete leben in Polen. Trotzdem ist ein Großteil der Bevölkerung dagegen, wenn es darum geht, Menschen aus afrikanischen oder muslimisch geprägten Ländern aufzunehmen.

In einer Meinungsumfrage im Juli 2017 haben um die 70 Prozent der befragten Polen angegeben, dass Polen keine Menschen aus diesen Ländern aufnehmen sollte. Eine Meinung, die man auch in der polnischen Politik findet. So hat zum Beispiel der polnische Innenminister Mariusz Blaszczak im August gesagt, Polen werde keine Flüchtlinge aus muslimischen Ländern aufnehmen. Seiner Meinung nach gäbe es eine eindeutige Verbindung zwischen Flucht und Terror.

Tägliche Gewalt gegen Geflüchtete in Polen

Katarzyna Słubik arbeitet für die Association for Legal Intervention in Warschau. In ihrer Arbeit unterstützt sie Geflüchtete in Polen. Sie glaubt, dass Aussagen wie die von Mariusz Blaszczak Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Viele Menschen hätten starke Vorurteile, weil sie die Meinung von Medien oder Politikern annähmen. Das führe dazu, dass Geflüchtete in Polen Ausgrenzung und Gewalt im Alltag erleben.

Manche werden im Bus angebrüllt oder bespuckt. Daran haben sich viele Geflüchtete heute gewöhnt. Sie erleben es schließlich jeden Tag. – Katarzyna Słubik, Association for Legal Intervention in Warschau

Eine gemeinsame Sprache könnte helfen

Das weiß auch Karolina Hansen. Sie ist Psychologin an der Universität Warschau. Dort erforscht sie die Rolle der Sprache bei Vorurteilen gegenüber Geflüchteten. Es sei entscheidend, dass Polen in Kontakt mit Geflüchteten treten könnten. Sie glaubt, dass eine gemeinsame Sprache deswegen ein Weg sein könne, um Angst und Vorurteile zu minimieren.

Wenn Polen sehen, dass ein Immigrant oder eine Immigrantin Polnisch spricht, dann ist das so faszinierend und so ungewöhnlich und toll. Dann werden die Vorurteile zu der konkreten Person abgebaut. – Karolina Hansen, Psychologin an der Universität Warschau

Warum haben es Geflüchtete in Polen so schwer? Und was kann sich ändern? detektor.fm-Reporter Lars-Hendrik Setz hat mit Menschen in Warschau über das Phänomen gesprochen.


In „Europas Mitte“ reist Lars-Hendrik Setz durch die Visegrád-Länder. Im Podcast sammeln wir alle Episoden. Alle Folgen gibt es auch direkt bei Apple PodcastsDeezer und Spotify.