Die Exzellenzinitiative für Universitäten wird verlängert

"Zwei-Klassen-System in der deutschen Hochschullandschaft"

22.04.2016

Die Exzellenzinitiative soll deutsche Universitäten mit einer halben Milliarde Euro unterstützen, damit die mit internationalen Spitzen-Unis mithalten können. Nun wurde sie verlängert. Ein guter Tag für die Wissenschaft? Oder wird die deutsche Uni-Landschaft damit noch stärker in zwei Klassen geteilt?

Wohin sollen die knapp 500 Millionen Euro der Exzellenzinitiative fließen? Welche Bedingungen müssen die Universitäten für eine Förderung erfüllen? Und wie geht die Exzellenzinitiative mit kleinen Unis und Fachhochschulen um? Die Antworten darauf hat die „Gemeinsame Wissenschaftskonferenz“ der Bundesländer mit Bundesministerin Johanna Wanka vorgestellt.

Exzellenzinitiative: Bund und Länder legen zusammen

Neu ist, dass der Bund nun dauerhaft hilft, die Fördermittel für die Elite-Unis zu stemmen. Bisher wurden die Mittel immer nur für die kommenden zehn bis fünfzehn Jahre zugesichert. Für die dauerhafte Förderung wurde sogar das Grundgesetz um den Artikel 91b erweitert. Bundesbildungsministerin Wanka sagte in der Pressekonferenz, das sei „ein sehr guter Tag für die Wissenschaft“.

Von der Investition in die Forschung trägt der Bund 75 Prozent, die Länder teilen den Rest. Alle sieben Jahre sollen die geförderten Unis dann nachweisen, dass sie mit den Mitteln der Exzellenzinitiative ihre Standards gehalten oder gar gesteigert haben. Falls nicht, verlieren sie die Förderung.

Die eigentlichen Kernprobleme im deutschen Hochschulsystem sind nicht gelöst. Es bräuchte vielmehr ein klares Signal dafür, die Grundfinanzierung für die Hochschulen in der Fläche zu erhöhen. – Andreas Keller, Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft

Kleine Unis und Geisteswissenschaften außen vor?

Die Bundesbildungsministerin hat auf der Pressekonferenz gesagt, dass sie sich über Bewerbungen von vielen Universitäten und aus einem sehr breiten Fächerspektrum freuen würde. Wie realistisch ist eine internationale Exzellenz der Geisteswissenschaften, wenn sich die USA, Japan und Großbritannien bereits von ihren Geisteswissenschaften verabschieden wollen?

Kritiker befürchten, dass die verlängerte Exzellenzinitiative die großen Universitäten und die besten Antragsschreiber, aber nicht die besten Wissenschaftler fördert. Außerdem hätten es die ohnehin gut finanzierten Ingenieurswissenschaften leichter, an die Mittel zu kommen, als beispielsweise die chronisch unterfinanzierten Geisteswissenschaften.

Ob die verlängerte Exzellenzinitiative ein gutes Modell für die deutsche Universitätslandschaft ist, darüber hat detektor-fm Moderatorin Juliane Neubauer mit Andreas Keller gesprochen. Er ist im Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und leitet den Bereich „Hochschule und Forschung“.

16. Juni 2013, Düsseldorf, Deutschland, 
Stellvertretender GEW-Vorsitzende und Vorstand 
Organisationsbereich Hochschule und Forschung: Andreas Keller

[Foto: KAY HERSCHELMANN Telefon:+49 (0)30-2927537 Mobil: +49 (0)171 26 73 495 email: Kay.Herschelmann@t-online.de, Berliner Sparkasse BAN: DE02 1005 0000 1554 5828 37 BIC-/SWIFT-Code: BE LA DE BE BLZ: 10050000 Konto-Nr.:1554582837 Alle Rechte vorbehalten. Abdruck nur gegen Honorar (zzgl. Mwst) und Belegexemplar. Urhebervermerk wird gemaess Paragraph 13 UrhG verlangt. Weitergabe an Dritte nur mit Genehmigung des Fotografen. NO MODEL RELEASE!]Dramatisch ist, dass hier verzweifelt versucht wird, ein Zweiklassensystem in der deutschen Hochschullandschaft zu errichten.Andreas Kellerist im Hauptvorstand der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft und leitet den Bereich "Hochschule und Forschung". | Foto: gew.de