Gerichtsverfahren: Fall Chemnitz

Von öffentlichem Interesse

18.03.2019

Als im August ein 35-jähriger Chemnitzer von zwei Männern mit Migrationshintergrund getötet wurde, gab es in Chemnitz zahlreiche rechte Ausschreitungen. Ein halbes Jahr später steht einer der Tatverdächtigen vor Gericht.

Randale in Chemnitz

Im August ist ein 35-jähriger Chemnitzer durch Messerstiche zu Tode gekommen. Die Täter waren mutmaßlich zwei Männer mit Migrationshintergrund. Daraufhin herrschte in Chemnitz längere Zeit Ausnahmezustand. Denn der Vorfall hatte zahlreiche Anhänger rechter Gruppen zu Protesten und Ausschreitungen animiert. Sie hatten Migranten auf offener Straße angefeindet und Lokale demoliert. Auch die Gegenbewegung hat reagiert. So haben viele Proteste und Freiluftkonzerte gegen Rassismus und Gewalt stattgefunden.

Ein halbes Jahr ist seit den Ereignissen in Chemnitz vergangen. Komplett entspannt hat sich die Lage aber nicht. Nun findet der Prozess gegen einen der Tatverdächtigen statt. Aus Sicherheitsgründen hat das Landgericht Chemnitz die Gerichtverhandlungen nach Dresden verlegt.

Der Fall Chemnitz – ein fairer Prozess?

Es ist ein Fall von überragendem öffentlichen Interesse. Die Verteidigung befürchtet sogar, dass die Richter politisch befangen sein könnten und der Prozess somit nicht fair verlaufen würde. Also hat sie in einem umfassenden Antrag darum gebeten, dass die Richter ihre Einstellung offenlegen.

Die Richterin hat die Entscheidung, was sie beantworten will und was nicht, erst einmal zurückgestellt und die Verhandlung fortgeführt. Dadurch kam der Prozess zumindest voran und es kam nicht zu einer Unterbrechung gleich zu Beginn. – Gunnar Breske, Fernsehmoderator beim MDR

Der Angeklagte bestreitet, die Tat begangen zu haben. Auch der wichtigste Zeuge hat ihm zugunsten seine Aussage revidiert. Daneben liegen auch sonst keine belastenden Beweise gegen den Angeklagten vor. Die Verteidigung fordert daher, dass das Verfahren eingestellt wird. In den Köpfen anderer ist der Angeklagte aber schon längst schuldig gesprochen.

detektor.fm-Moderatorin Bernadette Huber hat mit Gunnar Breske über das Gerichtsverfahren sowie die aktuelle Lage in Dresden und Chemnitz gesprochen. Er ist Journalist und Fernsehmoderator beim MDR und ist selbst bei den Verhandlungen in Dresden dabei.

Redaktion: Alexandra Boger