FARC gründen politische Partei

Schritt in Richtung Frieden?

01.09.2017

Die kolumbianische FARC hat sich von einer Guerrilla in eine reguläre Partei umgewandelt. Doch neben der neuen Hoffnung bestimmen weiterhin viele Probleme den Friedensprozess.

FARC wagt Schritt in Legalität

Die älteste Guerilla-Gruppierung der Welt hat den bewaffneten Kampf gegen den kolumbianischen Staat beendet. Dies geschieht nach über einem halben Jahrhundert gefüllt mit gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Bogotá hat ein Kongress der Organisation die Gründung einer politischen Partei beschlossen. Der Name lautet Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común – „Alternative revolutionäre Kraft des Volkes“. Dies erlaubt den ehemaligen Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ – die Beibehaltung der Abkürzung FARC. Abgesehen vom ähnlichen Namen sind ideologische Veränderungen sehr wahrscheinlich.

Große Erwartungen für den Frieden

Die Parteigründung ist ein weiterer Schritt des Friedensabkommens zwischen Guerilla und Staat. Im Jahr 2016 hatte eine Volksbefragung zuerst eine ablehnende Haltung beim Großteil der Bevölkerung gezeigt. Eine neue Version des Abkommens hatte das Parlament anschließend verabschiedet.

Derzeit kommt es jedoch zu Verzögerungen bei der Durchsetzung. Denn die Regierung hat bestimmte Versprechen nicht eingehalten und paramilitärische Einheiten gefährden weiterhin die Aussöhnung.

Unklare Zukunft für Guerilleros und Gesellschaft

Viele Teile der kolumbianischen Bevölkerung stehen der FARC kritisch gegenüber. Vor allem die Opposition um Expräsident Álvaro Uribe Vélez macht Stimmung gegen das Friedensabkommen. Konfliktforscherin Claudia Luzar spricht von Fehlinformationen, die die Öffentlichkeit des Landes verunsichern.

Diese Gerüchte schüren natürlich neuen Hass und da ist es wichtig, dass man mit dezidierten Argumentationen entgegenwirkt. – Claudia Luzar, Konfliktforscherin und Korrespondentin für amerika21 in Bogotá

Das Problem der Gewalt geht in Kolumbien aber nicht allein von der FARC oder anderen Guerillas aus. Verantwortlich sind vor allem auch die Paramilitärs. Diese haben mit Gewalt gegen ehemalige Rebellen und Menschenrechtsaktivisten auf sich aufmerksam gemacht.

Wir sehen das auch daran, dass weiterhin Menschenrechtsverteidiger bedroht und ermordet werden und verschwinden. – Christiane Schwarz, Koordinatorin bei Kolko Menschenrechte für Kolumbien e.V.

Die Gründung der neuen FARC-Partei bedeutet neue Hoffnung, aber auch unbekannte Risiken für die kolumbianische Gesellschaft. Über die Reaktionen und den fortschreitenden Friedensprozess berichtet Lars Feyen für detektor.fm.

Redaktion: Lars Feyen