Frag den Staat | US-Atomwaffen in Büchel

Zäune statt Informationen?

13.08.2019

In Büchel werden seit Jahrzehnten US-Atomwaffen gelagert. Genaue Informationen zu Sicherheit und Strahlungswerten gibt das Verteidigungsministerium nicht heraus. Dagegen hat die Stiftung "Erneuerbare Freiheit" geklagt.

US-Atomwaffen in Büchel

Seit den fünfziger Jahren lagern in Deutschland US-Atomwaffen. Der mittlerweile einzige Standort für die Waffenlagerung ist der Fliegerhorst im rheinland-pfälzischen Büchel. Dort werden etwa 20 Atomwaffen aufbewahrt. Jede davon mit der drei- bis vierfachen Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe.

Wegen dieser Lagerung kommt es häufig zu Protesten. Denn genaue Informationen zu dem Standort, der Sicherheit und den Strahlungswerten der US-Atomwaffen werden nicht veröffentlicht. Dabei könnten sie durch die Radioaktivität durchaus eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen.

Laut Aussagen der Stadträtin von Cochem, einer Kreisstadt in der Nähe von Büchel, steigt die Zahl der Krebserkrankungen in der Umgebung. Besonders betroffen sind dabei die Arbeiter, die direkt im Fliegerhorst tätig sind. Über eine direkte Verbindung zwischen diesen Erkrankungen und den US-Atomwaffen lässt sich aufgrund der fehlenden Informationen nur spekulieren.

Es gibt gute Argumente dafür, warum Atomwaffen zum Beispiel nicht besonders stark strahlen und mit Krebserkrankungen nicht zusammenhängen. Aber auch dafür bräuchte es Informationen und solange es die nicht gibt, weiß man so wahnsinnig wenig. – Arne Semsrott, Projektleiter bei FragDenStaat

Strahlungsdaten werden verweigert

Um genaue Informationen zu den Auswirkungen der US-Atomwaffen auf die Umwelt zu erhalten, hat die Stiftung „Erneuerbare Freiheit“ die Strahlungsdaten eingefordert. Grundlage der Anfrage ist das Umweltinformationsgesetz (UiG). Das bietet jedem die Möglichkeit, staatliche Institutionen nach Umweltinformationen zu befragen.

Dabei wird nach dem UiG immer zwischen dem öffentlichen Interesse und eventuell entgegenstehenden Interessen abgewogen. Dazu zählen zum Beispiel internationale Beziehungen oder die öffentliche Sicherheit. Das Verteidigungsministerium hat die Anfrage abgewiesen und stattdessen einen neuen Zaun um das Gelände gebaut. Nun hat die Stiftung Klage eingereicht.

Über die Klage der Stiftung „Erneuerbare Freiheit“ und wie es nun für den Fliegerhorst Büchel weitergeht, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Yvi Strüwing mit Arne Semsrott von FragDenStaat gesprochen.

TransparenzgesetzDas ist die erste Klage dieser Art, die mit einem militärischen Standort zusammenhängt. Und deswegen glaube ich, dass es über den Fall hinaus eine strategische Bedeutung hat. Wenn das jetzt erfolgreich ist, dann gibt es bestimmt noch andere interessante Anfragen, die da folgen könnten. Arne Semsrottist Projektleiter bei FragDenStaat.  

Redaktion: Luisa Bebenroth und Leora Koch 


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