Fremdenfeindlichkeit | Unruhen in Südafrika

Am Ende des Regenbogens

24.04.2015

Seit mehreren Wochen erschüttern fremdenfeindliche Ausschreitungen Südafrika. Bisher sind mindestens acht Menschen dabei gestorben. Präsident Jacob Zuma setzt nun auf die Armee, um für Ruhe zu sorgen. Doch die Lage bleibt angespannt. Immer mehr Ausländer verlassen das Land.

Was zu Ostern in der Hafenstadt Durban mit gewalttätigen Protesten gegen afrikanische Ausländer begann, hat sich nun auch auf Johannesburg ausgeweitet. Die Gewalt richtet sich vor allem gegen Afrikaner aus Ländern wie Somalia, Nigeria und Zimbabwe. Einige Südafrikaner werfen ihnen vor, Arbeitsplätze zu stehlen und für die schlechte wirtschaftliche Lage Südafrikas verantwortlich zu sein.

Zulu-König Zwelithini schürt Hass

Die Ausschreitungen haben um Ostern begonnen, als Zulu-Oberhaupt Goodwill Zwelithini alle Ausländer dazu aufrief, das Land zu verlassen. Kurz darauf zog eine wütende Menge durch Durban, plünderte Geschäfte und machte gezielt Jagd auf Ausländer. Zwelithini hat sich inzwischen von dem Aufruf distanziert. Er behauptet, die Presse habe seine Aussagen falsch widergegeben. Doch der Schaden ist angerichtet, wie die Zeichnung des südafrikanischen Karrikaturisten Zapiro verdeutlicht.

Soldaten in den Straßen

Um der Lage Herr zu werden, lässt die Regierung die betroffenen Gebiete von Soldaten kontrollieren. Die Opposition kritisiert den Einsatz und bezeichnet ihn als Überreaktion. Er sei vergleichbar mit dem Verhalten des rassistischen Apartheid-Regimes. Schon 2008 kam es zu schweren Ausschreitungen gegen Ausländer.

Damals sind mehr als 60 Menschen getötet worden. Besonders das Township Alexandra in Johannesburg war davon betroffen. Die dortigen Anwohner begrüßten den Einsatz der Armee – sie fühlen sich sicherer. Erst mit Hilfe des Militärs konnten 2008 die Auschreitungen beendet werden.

Stimmung gegen Südafrika

Die ausländerfeindlichen Ausschreitungen haben weitreichende Konsequenzen für das Land. Denn auf dem Kontinent kippt die Stimmung gegen Südafrika. In Mosambique wurden bereits Autos mit südafrikanischen Kennzeichen mit Steinen beworfen. Nigeria droht damit, südafrikanische Firmen im Land zu schließen.

In Harare, der Hauptstadt Zimbabwes kam es vor der südafrikanischen Botschaft zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Zudem mussten mehrere südafrikanische Künstler ihre Konzerte absagen. In der vergangenen Woche hat sich die südafrikanische Regierung kurzfristig mit Afrikanischen Botschaftern getroffen, um zu beschwichtigen.

Was bleibt vom Regenbogen?

Südafrika steckt in der Krise. Immer wieder kommt es zu ethnischen Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen des Vielvölkerstaates. Vom harmonischen Zusammenleben der Regenbogennation, scheint nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Doch die Zivilgesellschaft wehrt sich.

Vergangene Woche haben mehr als 5.000 Menschen in Durban gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Die Menschen organisieren sich. Um der Gewalt etwas entgegen zusetzen, halten sie Informationsveranstaltungen ab. Zudem gibt es Radio- und Zeitungskampagnen. So sind auch diese Woche wieder tausende Menschen auf die Straßen Johannesburgs gezogen.

Obwohl die Gewalt viele Migranten abschreckt, kommen immer noch Flüchtlinge nach Südafrika. Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe UNHCR werden es bis Ende des Jahres über 330.000 sein. Schätzungen über die genaue Anzahl an in Südafrika lebenden Ausländern schwanken zwischen zwei und fünf Millionen Menschen.

Über die Auschreitung und Fremdenfeindlichkeit in Südafrika hat detektor.fm Moderatorin Teresa Nehm mit Dr. Armin Osmanovic gesprochen. Er leitet das Büro der linksparteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung in Johannesburg.

Osmanovic_RSL-WebsiteEs gibt drei Sachen, die immer genannt werden wenn man mit den Leuten vor Ort spricht, die sie stören: Es sind die Jobs - die Shops, die von Ausländern erfolgreich in den Townships geführt werden. Es ist die Kriminalität. Und es gibt das Problem, dass viele südafrikanische Männer im Wettbewerb mit anderen Afrikanern stehen. Sie haben das Gefühl, ihnen werden die Frauen weggenommen.Dr. Armin Osmanovicleitet das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Johannesburg. 

Redaktion: Andreas Schmaltz