Vier Jahre nach den Anschlägen von Anders Breivik

Breivik-Ausstellung spaltet Norwegen

22.07.2015

Das Gedenken gestaltet sich stets schwierig. So streitet am vierten Jahrestag der Terroranschläge des Rechtsextremisten Anders Breivik Norwegen über eine Ausstellung. Sie zeigt die Gegenstände, die Breivik bei seinem Doppelanschlag benutzte. Die Angehörigen der Opfer fürchten eine "Ruhmeshalle", die zum Pilgerort für Sympathisanten des Massenmörders werden könnte.

Norwegen gedenkt den Opfern

Mahnmal oder Heldenstätte für einen Terroristen? Die Norweger streiten derzeit über eine Ausstellung zu den Anschlägen in Oslo und Utøya vor vier Jahren.

Damals tötete der Rechtsextreme Anders Breivik 77 Menschen. Dabei erschoss er zahlreiche Kinder und Jugendliche, die an einem Sommerlager der norwegischen Arbeiterpartei auf der Insel Utøya teilgenommen hatten. „Sie werden nicht vergessen, wir erinnern uns in Liebe an sie“, sagte Ministerpräsidentin Erna Solberg in Oslo.

Breivik wurde im Jahr 2012 zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Streit um Breivik-Ausstellung

Vielen Norwegern ist die Ausstellung zu viel. „Ein Breivik-Museum im Regierungsviertel? – Nein, danke!“, twitterte John Christian Elden, einer der Anwälte der Nebenklage im Prozess gegen Breivik.

Die Ausstellung zeigt Gegenstände, die Breivik bei seinen Anschlägen verwendet hatte – beispielsweise einen falschen Pass und eine Polizeimarke, mit der sich Breivik als Polizist tarnte. Hinzu kommen die Übereste des Autos, in dem er die Bombe in Oslo platziert hatte, sowie ein Koffer mit seiner Ausrüstung.

Kritiker der Ausstellung fürchten, sie könnte zur Kultstätte für Rechtsextremisten werden, während Befürworter sie als Mittel zur Auseinandersetzung mit der schmerzhaften Vergangenheit betrachten.

Die Problematik des Gedenkens

Der Umgang mit dem Gedänken ist ein Dilemma für Norwegen. Doch wie den Weg zu einer Gedenkkultur finden die nicht spaltet, sondern die Menschen eint? Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit Rikola-Gunnar Lüttgenau gesprochen. Er ist stellvertretender Stiftungsdirektor der Gedenkstätte Buchenwald.

R-G_LuettgenauEs ist noch nicht lange her und man kann nicht soofort kognitiv, neugierig und aufgeklärt mit den Täter beschäftigen. Das braucht viel Zeit. Rikola-Gunnar Lüttgenau findet, dass man sich mit den Verbrechen auseinandersetzen muss, um zu verstehen, wie man sie künftig verhindern kann. 

Redaktion: Carsten Jänicke