Geschlossene Gesellschaft: Turkmenistan gibt Rätsel auf

15.07.2011

Schon vor einer Woche ist in Turkmenistan offenbar ein Waffendepot explodiert. Von über 1000 Toten berichten Augenzeugen. Die Regierung spielt den Vorfall herunter und hat eine Informationssperre verhängt. Keine Chance auf Informationen aus dem Wüstenstaat?

Der Präsidentenpalast in der turkmenischen Hauptstadt Ashgabat. (© Kolanin / wikimedia / GNU)

Zurzeit herrscht große Verwirrung was das Ausmaß der Explosion angeht. Sofort nach dem Unglück hatte das Regime eine Informationssperre verhängt, die Telefon- und Internetleitungen wurden gekappt. Trotzdem gelingt es der Regierung nicht mehr, alle Nachrichten, die das Land verlassen, zu kontrollieren. Im Internet sind Videos und Berichte von Augenzeugen aufgetaucht. Die oppositionelle Website Chronicles of Turkmenistan spricht von 1300 Toten, aber niemand kann diese Zahl bestätigen.

hat zuletzt ein Buch über die Seidenstraße veröffentlicht.Konstantin Aberthat zuletzt ein Buch über die Seidenstraße veröffentlicht. 

Die Regierung hat den Vorfall zunächst dementiert, mittlerweile spricht sie jedoch davon, die Stadt wieder aufbauen zu wollen. Die offizielle Zahl der Toten beziffert sie auf 18.

Im Westen beschränkt sich das Interesse an dem Wüstenstaat auf die Gasvorkommen des Landes. Dabei sind manche Meldungen aus Turkmenistan an Absurdidät kaum zu übertreffen: Präsident Berdymuchammedow war der Zahnarzt seines Vorgängers, der Staatsmann singt selbst komponierte Liebeslieder im Fernsehen und wurde zuletzt von 89 Prozent der Turkmenen offiziell gewählt. Es gibt keine Opposition und keine unabhängigen Medien im Land, nur 1,6 Prozent der Einwohner haben Zugang zum Internet.

Konstantin Abert war schon häufig in Turkmenistan und anderen autokratischen Staaten unterwegs. Wir haben mit dem Politikwissenschaftler über das Land, das autokratische Regime und seine Informationspolitik gesprochen.