Gesetz für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften

Gleiches Recht für alle?

15.10.2015

Die Ehe von homosexuellen Paaren wird momentan wieder heftig diskutiert. Ein neues Gesetz soll nun die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren in allen gesellschaftlichen Bereichen aufheben. Aber was ändert sich damit?

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind in Deutschland längst zur gesellschaftlichen Realität geworden. Laut dem Statistischen Bundesamt haben im Jahr 2013 rund 78.000 Paare in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft gelebt. Zwar dürfen Schwule und Lesben in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, doch die Ehe ist immer noch Mann und Frau vorbehalten.

Mehr Rechte für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften?

Ein neues Gesetz der großen Koalition soll nun homosexuelle Paare in allen gesellschaftlichen Bereichen von dieser Diskriminierung befreien, vor allem rechtlich. Das „Gesetz zur Bereinigung des Rechts der Lebenspartner“ von Justizminister Heiko Maas klammert die Ehe und das Adoptionsrecht jedoch weiterhin aus.

Die große Koalition wird mit diesem Gesetz auf jeden Fall nicht die Vorgaben erfüllen, die sie sogar im Koalitionsvertrag versprochen hat. – Markus Ulrich, Lesben- und Schwulenverband Deutschland

In 20 Ländern dürfen Schwule und Lesben sich bereits das eheliche „Ja-Wort“ geben. Darunter Brasilien, Schweden, Mexiko und die Niederlande. Im Sommer hat zuletzt die USA die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt.

Verstaubtes Gesellschaftsbild

In der Debatte um die Homo-Ehe und um das Adoptionsrecht spielen häufig die gleichen Argumente eine Rolle: Es gehe um das Wohl der Kinder, die mit einem gleichgeschlechtlichen Paar als Eltern aufwachsen. Laut dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland gibt es jedoch keine Studie, die wissenschaftlich beweisen kann, dass eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft das Wohl der Kinder gefährden könne.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verweist in der Diskussion immer wieder auf ihr Bauchgefühl und sorgt damit für Empörung.

Gegen Bauchgefühle kann man schlecht argumentieren. Das ist ein homophobes Gefühl, das muss man deutlich sagen. – Markus Ulrich, Lesben- und Schwulenverband Deutschland

Denn in der Gesellschaft wird die Homo-Ehe in weiten Teilen längst befürwortet. Immer wieder gibt es Initiativen, die sich nicht nur für Lebenspartnerschaften, sondern für die „Ehe für alle“ einsetzen.

Was das neue Gesetz für gleichgeschlechtliche Paare bedeutet, darüber hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland gesprochen.

Markus_Ulrich_LSVDWas mich an der ganzen Diskussion ärgert, ist, dass man so eine tiefe Verbindung wie die Ehe zwischen zwei Männern und zwei Frauen ausschließt. Das ist eine Unverschämtheit!Markus Ulrichsieht auch mit dem neuen Gesetz nicht alle Diskriminierungen abgebaut. 

Redaktion: Laura Zachmann