Goldene Morgenröte – Griechenland wehrt sich gegen Neonazi-Partei

02.10.2013

Die Parteispitze der "Goldene Morgenröte" wurde festgenommen. Die Partei, die im griechischen Parlament sitzt, steht im Verdacht, als kriminelle Vereinigung zu agieren: unter anderem wird sie mit dem Mord am griechischen Musiker Killah P. in Verbindung gebracht. Aber auch politische Interessen sollen im Spiel sein. Ein Expertengespräch.

Vergangene Woche wurde der Vorsitzende der griechischen Partei „Goldene Morgenröte“ festgenommen. Der Vorwurf: er soll die Partei in eine kriminelle Vereinigung umgewandelt zu haben. Unter diesem Vorwurf stehen derzeit weitere 31 Mitglieder der rechtspopulistischen Partei. Auch im Volk verliert die Partei immer mehr an Zuspruch, was sich in öffentlichen Protesten niederschlägt.

„Die Leute versuchen, einen Schuldigen zu finden.”

Grund für die landesweiten Ausschreitungen war der die Ermordung des linken Musikers Pavlos Fyssas, die einem bekennendem Anhänger der „Goldenen Morgenröte“ angelastet wird. Zwar will die Partei nichts mit dem Mord zu tun haben, dennoch werden mehrere Abgeordnete derzeit dazu befragt.

Ein Insider behauptet, die Parteispitze müsse mindestens von dem Mord gewusst haben. Mittlerweile kümmert sich ein eigens eingerichteter Anti-Terror-Dienst um die Vorfälle rund um die rechte Partei.

Jahrelang lag die Partei in Umfragen nur bei knapp 0,5 Prozent der Zustimmung. Den Aufschwung hat die Partei vor allem der Krise im Land zu verdanken. Der Rassismus habe sich in den letzten Jahren massiv verschärft, so Griechenland-Experte John Malamatinas. „Die Leute haben versucht, einen Schuldigen zu finden.“, sagt der Buchautor.

Allerdings verlor die „Goldene Morgenröte“ seit dem Mord am Rapper Fyssas um die vier Prozentpunkte an Zustimmung. Dies zeigt sich auch an den Protesten gegen die Partei. Sie stand zwar schon vor dem Mord unter Verdacht, illegale Geschäfte zu betreiben und auch nicht vor Gewalt, vor allem gegen Immigranten, zurückzuschrecken – doch erst der Tod eines bekannten Griechen sorgte für größeren Aufruhr im krisengebeuteltem Griechenland.

„Zeigt auch, dass sich die Justiz nicht von einer Nacht zur anderen ändern lässt.“

Malamatinas selbst zeigt sich überrascht über die schnellen Festnahmen der Parteiverantwortlichen. Die griechische Polizei steht in dem Ruf, nicht voreilig zu handeln und zudem selbst in der Vergangenheit mit der rechten Partei zusammengearbeitet zu haben. Mittlerweile wurden jedoch schon wieder einige der Verhafteten mit Auflagen entlassen.

Unser Interviewpartner vermutet aber auch politische Gründe für die Verhaftungen. Die Partei hatte angekündigt, alle 18 Abgeordneten aus dem Parlament abzuziehen und somit Neuwahlen zu provozieren. Die könnten der derzeitigen Regierung der konservativen Partei „Nea Dimokratia“ zwar nicht ernstlich schaden, sie jedoch schwächen.

Im Interview erklärt der Autor John Malamatinas, in welcher Verfassung die „Goldene Morgenröte“ derzeit ist, wie gefährlich sie sein kann und woraus sie sich speist.

John Malamatinas ist Autor, „studiert VWL und ist in verschiedenen antikapitalistischen Gruppen und Netzwerken aktiv“. Derzeit recherchiert er für ein Buch über die „Goldene Morgenröte“ arbeitet. Er lebt in Köln und Thessaloniki.
(Hier ist auch der Fußballverein PAOK Saloniki beheimatet, dessen Fans mit Vorliebe zum griechischen Wein Retsina Malamatina greifen. Nach eben diesem Wein wählte er sein Pseudonym, um an seinen Büchern zu schreiben.)