Theresa May: Großbritanniens neue Premierministerin und der Brexit

Theresa May soll's richten

12.07.2016

Morgen ist David Camerons letzter Amtstag als Premierminister. Danach übernimmt seine Parteikollegin Theresa May das Amt. Sie soll die zerstrittene Tory-Partei und das Land wieder einen. Und natürlich den Brexit umsetzen. Wird sie das schaffen?

Als David Cameron nach dem Brexit-Votum im Juni seinen Rücktritt verkündete, sollte es ursprünglich drei Monate dauern, bis man mit einem neuen Nachfolger rechnen konnte. Nun ging das alles schneller, als gedacht: Nachdem mit Andrea Leadsom die letzte parteiinterne Konkurrentin auf die Kandidatur verzichtet hat, wird Theresa May morgen britische Premierministerin.

May hat in Oxford studiert, für die englische Zentralbank gearbeitet und ist bereits seit 1992 Mitglied im britischen Unterhaus. Seit 2010 ist sie die britische Innenministerin. Bisher ist sie eher unauffällig gewesen, über ihr Privatleben ist wenig bekannt. Dennoch werden schon Vergleiche mit der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher gezogen.

Brexit hin oder her

Ursprünglich hat sie beim Votum dafür gestimmt, dass Großbritannien in der Europäischen Union bleiben soll. Während der Diskussionen um Camerons mögliche Nachfolger hat sie sich jedoch bedeckt gehalten. Diese Strategie schien aufzugehen: 60 Prozent der Tory-Partei hat für ihre Kandidatur gestimmt.

Mittlerweile präsentiert sie sich nicht nur als Versöhnerin der Partei, sondern auch als diejenige, die das aufgebrachte Großbritannien wieder besänftigen kann. Als ihr Amtsantritt gestern verkündet wurde, sagte sie, dass sie aus Brexit „einen Erfolg machen“ würde.

Politik nach dem Chaos

Ihre direkte politische Linie scheint aber noch undurchsichtig: Einerseits fordert sie schärfere Gesetze gegen Zuwanderer, andererseits ist sie – ganz untypisch für ein Tory-Mitglied – eine der ersten Politikerinnen, die öffentlich die gleichgeschlechtliche Ehe befürwortet.

Auch über ihre Strategie zum EU-Ausstieg nach Artikel 50 ist noch nicht viel bekannt. Sie wolle sich Zeit lassen mit den Austrittsverhandlungen, nix soll vor Ende des Jahres geschehen. Das treibt wiederum die anderen Länder der Union auf die Barrikaden, da die sich eine schnelle Lösung wünschen.

Erst einmal heißt es also: abwarten. David Cameron wird morgen Abend nach englischem Brauch zur Queen gehen, um seinen Rücktritt einzureichen.

Über die neue Premierministerin und ihre möglichen ersten Amtshandlungen in der Brexit-Krise hat detektor.fm-Moderator Lucas Kreling mit dem Jürgen Krönig gesprochen, der als Journalist in London lebt und von dort für die ZEIT berichtete.

ist Journalist und England-Korrespondent u.a. für die Wochenzeitung «Die Zeit».Sechs Jahre als Innenministerin haben gezeigt, wie beharrlich sie sein kann.Jürgen Krönigist freier Journalist und lebt seit mehreren Jahren in London.  

Redaktion: Natalie Meinert