Guttenberg-Affäre: Zehntausende unterzeichnen offenen Brief an Kanzlerin Merkel

28.02.2011

Jetzt haben die Wissenschaftler genug: einen offenen Brief deutscher Doktoranden an die Kanzlerin unterzeichneten Zehntausende. Wird das die Kanzlerin unter Druck setzen?

Verteidigungsminister zu Guttenberg steht nach der Plagiats-Affäre um seine Doktorarbeit weiter in der Kritik. / © Lennart Preiss (ddp)

Selten ging der Fall eines Spitzenpolitikers schneller, als bei Karl-Theodor zu Guttenberg. Vor wenigen Wochen war er noch mit Abstand der beliebteste Politiker Deutschlands und der öffentliche Star der Regierung. Jetzt ist längst klar, dass er bei seiner Doktorarbeit betrogen hat. Die Kritiker von Karl-Theodor zu Guttenberg kommen schon lange nicht mehr nur aus der eigenen Fraktion.

© P. SchellerHannes Klöpper© P. Scheller 

Der Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater, Oliver Lepsius, bescheinigt ihm „Realitätsverlust“. Die Kanzlerin aber blieb dabei: sie habe keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt, sondern einen Verteidigungsminister. Löste diese Aufspaltung der Person bei einigen schon lang Unbehagen aus, ballt sich dieses Unbehagen nun in einer lautstarken Aktion: mehr als 30.000 Doktoranden und Unterstützer (Stand: 28.02.11, 17.30 Uhr) haben einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel unterzeichnet – und der wurde heute übergeben. Darin wird Merkels Verhalten in der Guttenberg-Affäre scharf kritisiert.

Einer der Initiatoren des offenen Briefes ist Hannes Klöpper, der im Interview mit detektor.fm die Kritikpunkte und Argumente der Initiative zusammenfasst.

Dies ist eine Verhöhnung aller wissenschaftlichen Hilfskräfte sowie aller Doktorandinnen und Doktoranden, die auf ehrliche Art und Weise versuchen, ihren Teil zum wissenschaftlichen Fortschritt beizutragen. (…)  Wir tun dies nicht, weil wir «Fußnotenfanatiker» sind oder im «Elfenbeinturm» sitzen und nicht wissen, was im wahren Leben zählt.
(Ausschnitt aus dem offenen Brief)