Historische Weichenstellung? Spekulationen in Nordkorea

28.09.2010

Heute der Parteitag, morgen Portraits, Schulbuch-Lieder und Heldenmythen: in Nordkorea wird die Erbfolge geregelt - und scheint nach den bekannten Mustern abzulaufen. Zur Anatomie einer Machtübergabe.

Statue des Staatsgründers Kim Il Sung in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang / © Torsten Weidemann pixelio.de

ist Mitglied der »Forschungsgruppe Asien« bei der Deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik. / © SWPDr. Markus Tidtenist Mitglied der »Forschungsgruppe Asien« bei der Deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik. / © SWP 

Erst hat es 44 Jahre gedauert, dann wurde sie vor drei Wochen spontan nochmal verschoben: und gestern war es nun soweit. Im kommunistischen Nordkorea kommt die „Konferenz der Parteidelegierten“ zusammen, um ein paar Führungsposten neu zu besetzen. Soweit die Theorie. In der Praxis scheint es sich aber um eine Weichenstellung in der Geschichte zu handeln, denn es sieht so aus, als ob der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il seine Nachfolge regelt – und seinen dritten Sohn in Stellung bringt. Wer der dritte Sohn ist, wie die strenge Liturgie einer Machtübergabe funktioniert und welche Phänomene wir vielleicht bald beobachten können, um den neuen Staatsführer aufzubauen, darüber sprechen wir mit Markus Tidten von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Man wird ihn sehr langsam aufbauen. Das fängt mit Liedern an, dann wird das in den Schulbüchern auftauchen, dann wird man irgendwann Geschichten von seinen Heldentaten lesen können und Gedichte werden formuliert. (Markus Tidten)