Humanitäre Katastrophe im Jemen

"80 Prozent sind auf Hilfe angewiesen"

09.11.2017

Fast 30 Millionen Menschen leben im Jemen. 80 Prozent sind auf Hilfsorganisationen angewiesen. Jetzt blockiert Saudi-Arabien Häfen und Flughäfen - auch für Hilfe von außen. Das bedeutet neben des Krieges nun eine Hungersnot und keine Hilfe bei der Cholera-Epidemie.

Jemen – Machtkampf auf dem Rücken der Zivilbevölkerung

Der seit 2014 wütende Stellvertreterkrieg im Jemen hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Saudi-Arabien hat angeordnet, alle jemenitischen Landes-, Luft- und Seegrenzen zu schließen. Anlass dazu war eine Rakete, die am Wochenende von jemenitischen Rebellen in Richtung Riad abgefeuert wurde. Das Ziel dahinter: Waffenlieferungen aus den Iran an die schiitischen Huthi-Rebellen verhindern. Darunter leidet jetzt aber vor allem die Zivilbevölkerung.

Denn entgegen offizieller Angaben von saudischer Seite gelangen nicht einmal Hilfsgüter ins Land. Ein Zustand, der im Jemen besonders dramatische Folgen hat.

Fast alles, was wir im Land verteilen, kommt von außen. Das heißt, wenn die Grenzen geschlossen bleiben, zählt jeder Tag. – Anica Heinlein, politische Referentin der Hilfsorganisation Care e.V.

Die weltweit größte Hungersnot seit Jahrzehnten

Praktisch die gesamte Bevölkerung ist auf Lebensmittel, Medikamente und andere Hilfsgüter angewiesen. Dazu kommt eine Cholera-Epidemie, die bereits mehrere tausend Menschen getötet und hunderttausende infiziert hat.

Es betrifft das ganze Land und eigentlich auch fast jeden. Wir sprechen jetzt schon von einer der größten humanitären Katastrophen weltweit und sie wird sich noch sehr, sehr stark verschärfen. – Anica Heinlein

Die Situation für die Menschen im Jemen könnte also kaum schlimmer sein. Auch deshalb, weil der Konflikt weltweit immer noch wenig Beachtung findet und die Bemühungen der Internationalen Gemeinschaft zögerlich sind. Und somit droht eine humanitäre Katastrophe, die die Massensterben im Südsudan oder Somalia noch weit übertreffen könnte.

detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt hat mit Anica Heinlein von der Hilfsorganisation Care e.V. über die aktuelle Lage im Jemen gesprochen.

JemenWir müssen dafür sorgen, dass die Kriegshandlungen aufhören und dass die Grenzen wieder aufgehen. Sonst droht uns eine extreme humanitäre Katastrophe für den Jemen.Anica Heinleinist politische Referentin der Hilfsorganisation Care e.V.. 

Redaktion: Julian Christ